Kräftige Buh-Rufe: Premiere von Schillers „Jungfrau von Orléans“

Sie leistet Großes: Vanessa Czapla als Johanna von Orléans. Im Hintergrund: Andreas Jeßing. Foto: Nils Bröer

Göttingen. Viele leere Sitze nach der Pause, einzelne Abwanderungen im zweiten Teil, kräftige Buhs am Ende. Die Premiere von Friedrich Schillers „Jungfrau von Orléans“ am Samstagabend im Deutschen Theater in Göttingen war kein gemütlicher Theaterabend.

Sie war eine kalkulierte Provokation – mit der Fehleinschätzung, dass sich ein Publikum aus dem Jahr 2014 nicht provozieren lässt.

Der gewünschte große Skandal, der einem Regisseur deutschlandweite Beachtung schenken kann, blieb aus.

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Wer unvoreingenommen an die Sache heranging, musste schon bald den Eindruck gewinnen, dass sich hier ein Regisseur daran abarbeitete, warum er das Stück nicht mag. Dazu bräuchte es freilich kein Publikum. Martin Laberenz, der für den erkrankten Felix Rothenhäusler die Regie übernommen hatte, zählt man in Theaterkreisen zu den „Jungen Wilden“. Diesem Ruf wurde er in Göttingen gerecht. Schillers hoher Text wird immer wieder durch Dialoge ergänzt, die man als „heutig“ verstehen sollte: „König sein, ist scheiße manchmal“, „Warum laberst du die ganze Zeit?“. Erkenntnisgewinn null.

Das Personal, das auf der leeren Bühne agiert, spielte überwiegend in Unterwäsche (oder auch ganz nackt wie beim großen Dialog Johanna/Raimond). Meist wird gebrüllt statt gesprochen. Albereien überwiegen vor ernsthaftem Gespräch.

Laute Musik und grelle Scheinwerfer sollen aus der Lethargie ziehen, erzeugen bei den Zuschauern aber nur gleichmütiges Lächeln.

Nur sehr gelegentlich blitzt die Kraft des Wortes auf, vor allem in den Monologen der Johanna. Und wenn der Regisseur es gestattet, gelingt es ihr, Zauber zu entfalten. Vanessa Czapla leistet an diesem Abend Großes. Sie steht über der Rolle, die ihr zugeteilt ist, weiß Hunderte Register in Wort und Gestik zu ziehen. Auch die anderen sechs Schauspieler (Florian Eppinger, Gerd Zinck, Andreas Jeßling, Meinolf Steiner, Moritz Pliquet und Denia Nironen) erfüllten die Rollen im fragwürdigen Regiekonzept sehr gut. Mit einem kollektiven Jubelschrei nach dem Verklingen des mäßigen Beifalls am Ende schrien sie ihre Erleichterung heraus.

Von Johannes Mundry

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