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Funknetz für Notfall: Schüler betreiben am Warntag Amateurfunkstation

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Von: Bernd Schlegel

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Schüler aus Groß Schneen im Kreis Göttingen betreiben am Warntag eine Amateurfunkstation. Im Notfall könnte das Funknetz eine wichtige Rolle spielen.

Göttingen/Groß Schneen – Anlässlich des Warntages zeigten Schüler der Oberschule aus Groß Schneen in Göttingen, welche Möglichkeiten im Amateurfunk stecken. Während der 45-minütigen Aktion gab es mehr als 50 Kontakte – ohne ein Handy oder ein anderes Telefon benutzen zu müssen.

Elvin Sylaj (12) drückt die Sendetaste am Mikrofon und sagt: „Hier ist DN5FR.“ Das ist das Ausbildungsrufzeichen von Lehrer Frank Richardt, das der Schüler unter Aufsicht nutzen darf.

Kreis Göttingen: Schüler aus Groß Schneen betreiben am Warntag Amateurfunkstation

Betrieb an der Clubstation der Göttinger Berufsfeuerwehr: Am Mikrofon nimmt Schüler Elvin Sylaj am Warntag die Meldungen der Stationen entgegen. Dabei unterstützen ihn Funkamateur und Lehrer Frank Richardt (rechts), Funkamateur Frank-Michael Apel (hinten links) und die beiden Schüler Lennox Paland (links) und Justin Werth.
Betrieb an der Clubstation der Göttinger Berufsfeuerwehr: Am Mikrofon nimmt Schüler Elvin Sylaj am Warntag die Meldungen der Stationen entgegen. Dabei unterstützen ihn Funkamateur und Lehrer Frank Richardt (rechts), Funkamateur Frank-Michael Apel (hinten links) und die beiden Schüler Lennox Paland (links) und Justin Werth. © Bernd Schlegel

Schon kurze Zeit später melden sich Funkamateure aus fast allen Bereichen der Uni-Stadt und auch darüber hinaus bei der Clubstation neben der Hauptfeuerwache im Göttinger Süden, die für die Aktion zum Warntag von Schülern betrieben wird.

Im Notfall könnte man so einen schnellen Überblick über die Lage vor Ort bekommen, wenn alle anderen Kommunikationsnetze versagen. In einem solchen Fall könnten nämlich auch Funkamateure helfen. Das ist sogar gesetzlich geregelt.

Wie schnell auch ein Handy nicht mehr funktioniert, zeigte ein Zwischenfall vor drei Wochen bei einem Mobilfunk-Netzbetreiber. Dort gab es über mehrere Stunden Serverprobleme und an Telefonate war kaum zu denken.

Amateurfunker notieren Rufzeichen und Stationen akribisch

Elvin Sylaj, der seit dem Sommer den Wahlpflichtkurs Technik/Amateurfunk an der Carl-Friedrich-Gauß-Schule in Groß Schneen besucht, schreibt das Rufzeichen und den Standort jeder Station, die sich meldet, akribisch auf. Schließlich muss alles ordnungsgemäß dokumentiert werden.

Hilfe bekommt er dabei von Frank Richardt, der Lehrer für Technik und Deutsch sowie Koordinator für die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) an der Carl-Friedrich-Gauß-Schule (CFG) Groß Schneen ist.

Der stellvertretende Vorsitzende des Ortsverbandes Göttingen im Deutschen Amateur Radio Club hat an der CFG inzwischen eine Schulstation eingerichtet. Im Unterricht haben die Schüler beispielsweise bereits das internationale Buchstabieralphabet gelernt, was auch bei einer späteren Amateurfunkprüfung verlangt wird.

Bereits Funk-Verbindungen bis nach Australien, Neuseeland und Südamerika geknüpft

„Der Kontakt ist viel dichter“, sagt Sylaj über seine ersten Erfahrungen mit dem Amateurfunk. „Man kann eben nicht einfach anrufen, sondern muss sich einen Partner suchen.“ Außerdem haben die Geräte deutlich größere Reichweiten.

Man kann eben nicht einfach anrufen, sondern muss sich einen Partner suchen.

Elvin Sylaj, Schüler an der Carl-Friedrich-Gauß-Schule in Groß Schneen

Demnächst steht laut Lehrer Richardt an der CFG der Bau einer Morsetaste auf dem Lehrplan. Ganz oben auf seiner Wunschliste steht zudem ein gutes Notebook für den Wahlpflichtkurs, damit auch Digitalfunk über Amateurfunkfrequenzen möglich wird.

Im Wahlpflicht-Unterricht wurden inzwischen bereits Funk-Verbindungen bis nach Australien, Neuseeland und Südamerika geknüpft. Im Februar steht eine besondere Aktion ins Haus. Dann will Pädagoge Richardt von Groß Schneen aus eine Funkverbindung zur Neumayer Station in der Antarktis herstellen. (bsc)

Funkamateure müssen Prüfung bei der Bundesnetzagentur ablegen

Ein Funkamateur muss eine Prüfung, die auch in Göttingen möglich ist, bei der Bundesnetzagentur ablegen. Dafür benötigen seine Geräte dann keine Zulassung mehr – der Funkamateur muss allerdings selber dafür sorgen, dass seine Gerätschaften vorschriftsmäßig arbeiten.

Die meisten Amateure sind im Deutschen Amateur Radion Club (DARC) organisiert. Funkamateure mit deutschem Rufzeichen dürfen auch in zahlreichen anderen Ländern ohne oder mit vereinfachter Anmeldung funken, wenn sie dort nur für einige Wochen sind, zum Beispiel im Urlaub.

CB-Funk hingegen darf von jedem, aber nur mit technisch geprüften Geräten gemacht werden. CB-Funker dürfen ihre Geräte also nicht selber bauen, verändern oder reparieren. (bsc)

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