Kreisfusion im Herbst: Osterode ist Hochburg der Senioren

Von 100 Einwohnern hatten bereits acht die Altersgrenze von 80 Jahren überschritten: Im Landkreis Osterode leben bundesweit die meisten Senioren. Foto: dpa

Kreis Göttingen. Im Landkreis Osterode ist der Altersdurchschnitt der dort lebenden Menschen bundesweit am höchsten. Dies wird sich auch auf die demografische Entwicklung des künftigen Landkreises Göttingen auswirken. Denn zum 1. November fusionieren die Kreise Osterode und Göttingen.

Von 100 Einwohnern im Landkreis Osterode hatten im Jahr 2014 bereits acht die Altersgrenze von 80 Jahren überschritten (8,2 Prozent). Diese Zahl hat das Statische Bundesamt veröffentlicht. Laut Auskunft der Stadt Göttingen waren in der Unistadt im gleichen Jahr 4,8 Prozent der Einwohner 80 Jahre und älter. Im Landkreis Göttingen lag der Anteil der so genannten Hochaltrigen bei 5,6 Prozent und entspricht damit dem Bundesdurchschnitt vom Jahr 2014.

„Die Fusion der beiden Landkreise ist vor allem eine große Herausforderung an eine zukunftsorientierte Demografiepolitik. Wie sehen die Infrastrukturen in ländlichen Räumen morgen aus? Wer ist verantwortlich für die öffentlichen Güter in Dörfern und Kleinstädten? Das sind Fragen, die die Fusion provoziert - inklusive der Konflikte um die Antworten“, erklärt Berthold Vogel. Er ist Demografie-Forscher am Soziologischen Forschungsinstitut (Sofi) Göttingen.

Die größte Herausforderung beim demografischen Wandel sei, Demokratie und Demografie in eine gute Balance zu bringen. „Wir können durch den demografischen Wandel auch Demokratie lernen, indem wir neue Ideen des Zusammenlebens der Generationen entwickeln“, sagt Vogel.

Auch wenn durch den Zusammenschluss der Landkreise in Zukunft mehr Über-80-Jährige im Landkreis Göttingen leben werden, muss dies laut Vogel nicht zwangsläufig negativ sein: „Alte Menschen sind heute länger gesund und häufiger bereit zum Engagement für Andere. Alter darf nicht nur von der Pflegebedürftigkeit her gedacht werden.“ (spe)

Hintergrund: Beauftragte für Demografie

In Niedersachsen ist die Zahl der Über-80-Jährigen von 2004 bis 2014 auf knapp 443 500 (Zuwachs von 23,2 Prozent) gestiegen. Dies entspricht einem Bevölkerungsanteil von 5,7 Prozent. Grund für den Zuwachs ist vor allem die steigende Lebenserwartung. Seit November 2012 ist Regina Meyer als Demografiebeauftragte im Landkreis Göttingen tätig. Sie erarbeitet zusammen mit Netzwerken und Akteuren eine Gesamtstrategie für die Bewältigung des demografischen Wandels. Dabei behält sie auch stets die Regionalplanung im Blick. (spe)

Kontakt zur Demografiebeauftragten: Tel.: 05 51/52 58 05, E-Mail: Meyer.R@landkreisgoettingen.de

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