Künstlerin pflegt Lebensgefährten: Aus Liebe zu ihrem Günter

Die Liebe ist stark: Künsterlin Renate Kiefer erinnert sich gern an den ersten Liebesbrief ihres Lebensgefärten Günter Gröbke (auf dem Foto links), den sie seit 20 Jahren pflegt. In anderen Hand hält sie ein Weihnachtsmotiv. Foto: Schlegel

Wolbrechtshausen/Göttingen. Renate Kiefer aus Wolbrechtshausen malt seit frühester Kindheit und pflegt seit fast 20 Jahren ihren Lebensgefährten. Die Kunst hilft ihr bei der Lebensbewältigung.

Vor nicht ganz zwei Jahrzehnten erkrankte der Lebensgefährte der 75-Jährigen an Demenz. Seither ist die Kunstlehrerin jeden Tag für ihn da. Im Laufe der Jahre entstanden Bilder, Texte und ein Künstlerbuch. „Die Kunst lässt mich Atemholen“, sagt die Seniorin. Diesen Titel trägt auch die Ausstellung der Künstlerin, die noch bis zum 18. September in Göttingen zu sehen ist. Kiefer hat schon in fast ganz Deutschland ihre Werke ausgestellt: Erstmals nach 20 Jahren sind sie nun länger in Südniedersachsen zu sehen.

„Für mich drückt sich in den Texten, Bildern und dem Künstlerbuch die Auseinandersetzung mit meinem Lebenspartner Günter Gröbke aus“, sagt die Seniorin. Mit den Werken versucht sie, den jeweiligen Zustand und ihre Beziehung zu beschreiben. So schreibt sie über ihren heute 76-jährigen Günter, der seit zehn Jahren kein Wort mehr herausbringt und nur über die Mimik mit ihr kommuniziert: „Wenn ich ihm was saures gebe, dann ist sein Gesicht schief, weil er es verzieht.“ Und: „Es ist still. Günter ruht. Ich sammle mich, höre ihn atmen und die Katze schnurren. Wir häuten uns wieder einmal ... werden offen für Nähe und Distanz.“

Mit ihrer Ausstellung will die Künstlerin, die bis zu ihrem 69. Lebensjahr insgesamt 39 Jahre als Lehrerin am Otto-Hahn-Gymnasium tätig war, anderen Mut machen, sich auf die Pflege eines Angehörigen einzulassen. „Liebe ist die Stimme des Lebens“, sagt die Wolbrechtshäuserin und meint damit, dass sie und ihr Lebensgefährte sich trotz Sprachlosigkeit die Liebe bewahrt haben. Zeit zum Malen und Texte schreiben findet Kiefer, wenn der Lebensgefährte abends schläft. Hilfe eines Pflegedienstes nimmt sie nur einmal pro Woche in Anspruch - zur Kontrolle, ob es Günter gut geht. Einen Plan, wenn es ihr gesundheitlich schlechter geht, hat Renate Kiefer nicht: „Das darf nicht passieren.“

Starke Nähe 

Noch heute erinnert sie sich an den ersten Liebesbrief ihres Lebensgefährten vor nahezu 30 Jahren: „Ich liebe Dich wie die Vögel, die Weite des Himmels und wie die Blumen die Wärme der Sonne, so liebe ich Dich.“ Kiefer: „Ich brauche diese Nähe zu meinem Günter.“ Durch ihre Pflege kann der Lebensgefährte, mit dem sie seit 30 Jahren zusammen ist, täglich im Rollstuhl in den Garten. Das würde er in keinem Heim bekommen, ist sich Kiefer sicher. „Dort würde er nur im Bett liegen.“ (bsc)

Ausstellung der Künstlerin im Asklepios-Fachklinikum 

Die Ausstellung „Atemlos“ mit Bildern, Texte, Fotografien und einem Künstlerbuch ist im ersten Obergeschoss des Göttinger Asklepios Fachklinikums bis zum 18. September zu sehen.

Der Eingang ist vom Parkplatz am Tonkuhlenweg zu finden. Die Schau ist montags bis freitags von 10 bis 17 Uhr sowie samstags und sonntags nach Absprache geöffnet. (bsc)

Kontakt: Asklepios Fachklinikum, Rosdorfer Weg 70, 37081 Göttingen, Tel. 0551 4020, E-Mail: poststelle.goettingen@asklepios.com

www.asklepios.com/goettingen

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