Ministerpräsident Weil kontert Kritik

Kürzungen bereiten der Uni Göttingen erhebliche Sorgen

Aula der Universität
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Altehrwürdige Universität mit Finanzproblemen: Den Hochschulen in Niedersachsen wurden 2020 Landeszuschüsse gekürzt, das soll auch 2021 passieren – die Universität Göttingen ist betroffen. (Archiv)

Etatkürzungen durch das Land machen der Uni Göttingen Sorgen. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) tritt der Kritik entgegen.

Göttingen – Professor Reinhard Jahn hat zum Ende des Jahres 2020 seine Amtszeit als Interimspräsident der Universität Göttingen beendet. Im Abschlussgespräch mit unserer Zeitung sagte der 70-Jährige, dass er sich auch Sorgen um die finanzielle Zukunft eine ansonsten nach wie vor starke Georg-August-Universität macht. Verantwortlich für die aktuelle kritische Finanzsituation sei auch das Land mit seinen plötzlichen Etatkürzungen im Sommer. 2021 werden weitere folgen. Der Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) kontert die Kritik, siehe die Hochschulen in der (Spar-)Pflicht.

„Ich mache mir zunehmend Sorgen, dass wir durch die Etatkürzungen des Landes unsere Konkurrenzfähigkeit einbüßen könnten. Die harten Sparmaßnahmen zwingen uns zu raschem Handeln, wenn wir ein nicht kontrollierbares Defizit vermeiden wollen“, sagte Reinhard Jahn und verwies darauf, dass bereits weitere Sparmaßnahmen von der Landesregierung angekündigt worden seien.

Ein akademische Institution aber, so Jahn, könne nicht so schnell umsteuern, ohne erhebliche Schäden zu hinterlassen: „Dann regiert die Abrissbirne statt strategischer Planung.“

Folgen hatten die Einsparungen 2020 bereits: In der Universität herrschen bei vielen Mitarbeitern Unruhe und Unsicherheit wegen Stellenkürzungen, besonders in Fachbereichen wie den Sozialwissenschaften, wo auch in der Lehre kräftig gespart, was auch die Studierenden unmittelbar spüren. So gibt es Fragezeichen um den Fortbestand ganzer Studiengänge oder einzelner Lehrangebote. Die Folge waren auch Proteste gegen Einsparungen, Stellennichtbesetzungen – so am Sportinstitut – und kurze Zeitverträge.

Besorgt: Reinhard Jahn, Uni-Präsident bis Ende 2020.

Der scheidende Uni-Präsident Jahn jedenfalls sagt: „Ich kann nicht ausschließen, dass Professuren gestrichen werden und das Lehrangebot konsolidiert werden muss.“

Ministerpräsident Stephan Weil hingegen bewertet die Auswirkungen gelassener: Die Kürzungen der Landeszuschüsse bewegten in einem „sehr überschaubaren Rahmen“ und treffen die Hochschulen genau so wie andere Einrichtungen des Landes. „Der Eindruck, Universitäten würden zu einem Sonderopfer herangezogen, ist schlichtweg falsch.“

Unis müssen sparen, sagt Ministerpräsident Stephan Weil.

Regierungschef Weil sieht für die niedersächsischen durchaus einen Gestaltungsspielraum, um mit den Kürzungen umzugehen: „Wenn ich mir den Umfang der jeweiligen Haushalte anschaue und dagegen Umfang der Minderausgaben anschaue, kann ich mir schwer vorstellen, dass große Institutionen nicht in der Lage sein sollten, das vernünftig hinzukriegen“, kritisiert Weil in Richtung Hochschulen. Der Regierungschef sagt aber auch: „Wir kürzen nicht gerne, aber wir können uns die Finanzlage nicht aussuchen.“

Der ausgeschiedene Uni-Präsident Reinhard Jahn jedenfalls kritisiert sowohl die plötzliche Kürzung der Zuschüsse im Sommer 2020 wie auch die generellen Einsparungen des Landes in Bezug auf die Hochschulen: „Damit ist Niedersachsen eine Ausnahme – andere Bundesländer investieren in ihre akademischen Institutionen, statt sie zusammenzustreichen, auch und gerade in der Corona-Krise.“

Das komplette Interview mit Professor Reinhard Jahn können Sie am Montag auf www.hna.de/goettingen lesen.

Von Thomas Kopietz

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