Kultursommer: Achterberg-Lesung über Currywurst und die Liebe

Genial bescheiden: Jaap Achterberg und die Erfindung der Currywurst. Foto: Ona Pinkus/nh

Göttingen. Gebannt verfolgten die Zuschauer im ausverkauften Deutschen Theater die Lesung von Jaap Achterberg über die Erfindung der Currywurst.

Einen fahnenflüchtigen Bootsmann, 24 Raummeter Holz, ein silbernes Reiterabzeichen, einen Kürschner, eine rassige Rothaarige mit durchsichtiger Gesichtshaut, das Kriegsende in Hamburg und eine Militäruniform – dieses und noch mehr brauchte Lena Brücker in Uwe Timms Novelle, um in ihrem Heimatort die Currywurst zu entdecken und damit eine florierende Imbissbude auf dem Großneumarkt aufzubauen. So konnte die resolute Hamburgerin als allein erziehende Mutter sich und ihre Kinder durch die Nachkriegszeit bringen.

Von der Currywurst-Erfindung und von der 27 Tage währenden ungewöhnlichen und gefährlichen Liebesgeschichte am Kriegsende erfährt der Ich-Erzähler der Novelle, als er die alte humorvolle Frau im Harburger Altersheim mehrmals besucht. Während sie berichtet, strickt sie ihm einen Pullover, und sie trinken gemeinsam Kaffee und essen Torte.

Der geniale, bescheiden auftretende Rezitator Jaap Achterberg erzählte nicht, sondern spielte in 75 Minuten – ohne Skript – diese spannenden Ereignisse, an einem schlichten Holztisch sitzend, auf dem nur ein Kännchen Wasser und ein Becher standen. Wer die Novelle nicht kannte, konnte kaum abwarten, wie es weiterging.

Am Ende nahm Achterberg fast verlegen den tosenden Beifall entgegen. Man hätte ihm noch Stunden zuhören können.

Das Erzähltheater war Teil der Theatertage im Rahmen des Kultursommers der Stadt Göttingen. (zäl)

Von Anne-Lise Eriksen

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