Tauziehen ums Filet-Stück

Kulturverbund Göttingen wirft Stadtverwaltung Fehler im Bieterverfahren vor

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Wer bekommt diese Gebäude? Der Rat fällt in der kommenden Woche die Entscheidung über die Zukunft der ehemaligen Baptistenkirche (links) und der früheren Voigt-Schule.

Göttingen. Der Ton im Vorfeld der Entscheidung des Rates über den Verkauf von zwei Grundstücken mit der alten Voigtschule und ehemaligen Baptistenkirche an der Bürgerstraße in Göttingen wird schärfer.

Der Kulturverbund, ein Bündnis aus Gruppen, Vereinen, Verbänden und Einzelpersonen, übt massive Kritik am Verfahren.

So sollen die 13 Angebote nicht korrekt bewertet worden sein. „Wesentliche Punkte werden bei der Punktevergabe nicht berücksichtigt, wie die Abweichung vom geltenden Baurecht oder die Wahrung des Denkmalschutzes der historischen Baukörper“, bemängelt das Bündniss. Mitglieder der Gruppe haben selbst Angebote für die beiden Gebäude abgegeben. Sie erhielten aber in der Bewertung der Stadt keine besonders guten Noten. Außerdem bemängelt der Kulturverbund Ungenauigkeiten bei der Abgabefrist.

Diese endete am 6. Mai um 10 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt waren Bieter des Kulturverbundes in der Stadtverwaltung anwesend. Drei Angebote waren nach Angaben des Verbundes um 10 Uhr noch nicht abgegeben. Trotzdem wurden sie noch von der Stadtverwaltung angenommen. In der Vorlage der Verwaltung erhielten diese Angebote gute Noten. Aus Sicht des Verbundes wurden sie zu spät eingereicht und sind damit ungültig. Uwe Scheibler vom Verein „Stadt und Planung“ Göttingen sieht so viele formale Fehler im Bieterverfahren, dass sein Verein die Kommunalaufsicht in Hannover angerufen hat. Christine Büttner von der Musikschule Musikuss wünscht sich, dass die Stadt auf die Kulturschaffenden zugeht.

Und Klaus Wißmann vom Verein „Kreuzberg on KulTour“ ergänzt beispielhaft: „Viele Musikgruppen suchen in Göttingen einen Probenraum.“ Die beiden Gebäude an der Bürgerstraße bieten aus seiner Sicht ideale Voraussetzungen, um der Kultur bezahlbaren Raum zu bieten. Das Kulturforum fürchtet, dass die Räume der Kultur nun verloren gehen, wenn der Bieter zum Zug kommen sollte, der das „ArtCenter Göttingen“ errichten will. Die Kulturschaffenden kritisieren, dass der Schwerpunkt bei diesem Projekt auf der Einrichtung von Büros, Praxen und Wohnungen liegt.

Außerdem befürchten sie zu hohe Mietpreise. Schlechtes Vorbil ArtCenter Das Vorbild „ArtCenter Bielefeld“ existiert nach Ansicht des Kulturforums nur auf dem Papier. Ein entsprechendes Schild sei erst im April am dortigen Haus installiert worden. Zudem sei das „ArtCenter“ in der ostwestfälischen Stadt „niemandem bekannt“.

 (bsc)

Entscheidung fällt im Stadtrat im nichtöffentlichen Teil

Die Entscheidung, welcher Bieter den Zuschlag für die beiden Gebäude an der Bürgerstraße in Göttingen erhält, fällt im Stadtrat im nichtöffentlichen Teil. Die Sondersitzung beginnt am Mittwoch, 26. Juni, um 16.15 Uhr im Hörsaal 103 des Zentralen Hörsaalgebäudes am Platz der Göttinger Sieben. Der Rat muss wegen Renovierungsarbeiten ausweichen.

Im öffentlichen Teil soll zunächst über die neu gefasste Abwassersatzung der Stadt beraten werden, bevor hinter verschlossenen Türen über die Vergabe der beiden Gebäude an der Bürgerstraße diskutiert wird. Zunächst wird über die Vergabe der Filet-Grundstücke noch einmal im Bauausschuss beraten. Die öffentliche Sitzung beginnt am Donnerstag, 20. Juni, um 16.15 Uhr im Sitzungsraum 118 des Neuen Rathauses am Hiroshimaplatz. (bsc)

www.goettingen.de

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