Ehemaliger Göttinger hat ein Lehrbuch für das Städtelesen gemacht – mit Schwarzplänen

Kunstvoller Fußbabdruck der Stadt

Auch das ist Göttingen: Im Buch „Die DNA der Stadt“ ist auch der Schwarzplan von Göttingen abgebildet – eindeutig zu erkennen ist der Stadtwall. Repro: Kopietz

Göttingen. Städte kann man verstehen und lesen lernen, ihre Historie und Eigenheiten lernen – allein vom Betrachten sogenannter Schwarzpläne. Der Architekt Jörn Simonsen hat mit zwei weiteren Autoren ein besonderes Buch gemacht: „Die DNA der Stadt“, das er am Freitag in der Buchhandlung Calvör vorstellen wird.

100 Schwarzpläne, das sind maßstabsgetreue Schwarz-Weiß-Grundrisszeichnungen von 100 deutschen Städten, haben die drei Architekten zusammengetragen und in einem einheitlichen Maßstab abgebildet. So entstehen Draufsichten wie bei Luftfotos. „Es ist der Fußabdruck der Stadt“, beschreibt Jörn Simonsen, der, obwohl oder weil er als Architekt mit Schwarzplänen arbeitet, faszniert ist von dem, was Experten wie Laien aus diesen Fußabdrücken erkennen können. Alles ist reduziert auf schwarz und weiß sowie Formen, die dennoch viel verraten, wenn sich der Leser auf Entdeckungsreise in die DNA der Stadt begibt.

Zu sehen sind einerseits riesige und andererseits mickrige Umrisse von Gebäuden: So kann der Laie schnell erkennen, welche der 100 Städte die Stadt Wolfsburg ist – jene City, die zu einem gehörigen Anteil aus dem hier schwarzen Block VW-Werk besteht.

Deutlich werden aber auch Stadtstrukturen: Klassische mittelalterliche Wallanlagen sind sofort identifizierbar – auch auf dem Plan von Göttingen. Lokhalle, Leineaue, Villen im Ostviertel und Uni-Nord-Campus, das fällt dem Göttinger sofort auf. Und wer will, kann sich auch auf die Suche nach seinem Haus machen, spannender als mit Google-Earth-View ist das allemal. Experten, wie die Autoren, sehen aber noch mehr aus den Plänen: „Man lernt und erkennt die Stadtbaugeschichte und sieht Veränderungsprozesse“, sagt Simonsen. All das ist für Architekten und Stadtplaner ein hohes Gut.

Das überaus anspruchsvoll wie geschmackvoll vom Verlag Hermann Schmidt gestaltete Buch „Die DNA der Stadt“ schafft nach Aussage von Simonsen „mehr Wissen um die Struktur der Stadt, den Stadtorganismus“ – auch für Laien.

Und die seien heute ohnehin viel öfter eingebunden in Großprojekte, ob Bausünden oder nicht. Beispiele sind Stuttgart 21 oder das Tempelhofer Feld in Berlin.

„Ein Wissen um Strukturen kann bei der Meinungsbildung sicher helfen“, sagt der Lübecker Architekt Simonsen, der in Hildesheim studiert und in Göttingen gelebt hat.

Die Fleißarbeit des Zusammentragens von Stadtplänen aus 100 Stadtverwaltungen, das aufwändige Buchgestalten hat sich für Simonsen gelohnt: Die „DNA der Stadt“ ist zu einem „Lehrbuch für Städtelesen“ geworden, wie er sagt. Und damit touren die Autoren jetzt durch das Land, aus dem die Schwarzpläne sind. Am Freitag, 20 Uhr, stellt Jörn Simonsen das Buch in der Buchhandlung Calvör vor, Eintritt: 5 Euro, Studenten 3 Euro. Kartenreservierung: www.calvoer.de

• „Die DNA der Stadt“, Inga Mueller-Haagen, Jörn Simonsen, Lothar Többen; Verlag Hermann Schmidt Mainz, 264 S., 100 Abbildungen, 68 Euro.

Von Thomas Kopietz

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.