Kurzer Prozess gegen Diebe

Gericht verurteilt Asylbewerber nur sechs Tage nach der Tat

Göttingen. Das Amtsgericht Göttingen hat am Dienstag zwei Asylbewerber aus Georgien wegen gewerbsmäßigen Diebstahls zu fünf beziehungsweise vier Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Als Bewährungsauflage müssen die Angeklagten 200 beziehungsweise 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Die Polizei hatte die 31 und 29 Jahre alten Männer am vergangenen Mittwoch nach einem Ladendiebstahl in einem Supermarkt in Förste (Kreis Osterode) festgenommen, als sie zu ihrer Unterkunft im Grenzdurchgangslager Friedland zurückkehren wollten.

Den Diebstahl hatte ein anderer Kunde bemerkt. Er hatte sich gewundert, dass der 29-Jährige so viele Zahnbürsten aus dem Regal herausnahm. Er informierte einen Mitarbeiter, der die Verdächtigen bis auf den Parkplatz verfolgte. Dort sprangen sie in ein Fluchtauto und fuhren davon.

Etwa eine Stunde später wurde die Polizei in Friedland auf das zur Fahndung ausgeschriebene Auto aufmerksam. Die Beamten kontrollierten das Fahrzeug und fanden einen Rucksack voller Rasierklingen und Zahnbürsten. Bei der Durchsuchung ihrer Unterkunft im Lager Friedland stießen die Fahnder auf weiteres Diebesgut im Wert von 2000 Euro.

In der Jacke des 31-Jährigen fand sich außerdem eine Liste mit den Adressen von neun weiteren Einkaufsmärkten im Landkreis Goslar.

Der Haftrichter ordnete Hauptverhandlungshaft an, so dass im beschleunigten Verfahren über den Fall verhandelt wurde. Während der 29-Jährige den Diebstahl einräumte, stritt der 31-Jährige die Beteiligung ab. Allerdings glaubten ihm weder der Staatsanwalt noch das Gericht. „Wir dulden es nicht, dass sie in die Bundesrepublik kommen, um zu klauen“, sagte Richter Martin Rammert.

Sollten die Angeklagten erneut straffällig werden oder ihre Arbeitsauflage nicht erfüllen, werde ihre Bewährung widerrufen. „Dann gehen Sie wieder ins Gefängnis.“

Bereits im vergangenen Jahr hatten georgische Asylbewerber vor allem in Friedland und Göttingen so viele Ladendiebstähle begangen, dass die Polizei eine Sonderermittlungsgruppe einrichtete. Die Serie hatte im Mai 2012 begonnen, nachdem die ersten Asylbewerber aus Georgien in der Landesaufnahmebehörde Niedersachsen in Friedland aufgenommen worden waren.

Nach den Erkenntnissen der Ermittler kommen die georgischen Straftäter wohl gezielt nach Deutschland, um arbeitsteilig und in wechselnder Zusammensetzung Ladendiebstähle und Wohnungseinbrüche zu begehen. (pid)

Von Heidi Niemann

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