Labor im Koffer liefert schnell Ebola-Diagnose

Labor im Koffer: Der Diagnose-Koffer für den Ebola-Schnelltest und andere Virusinfektionen wurde von Dr. Ahmed Abd El Wahed (rechts) in der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und am Deutschen Primatenzentrum (DPZ) entwickelt. Ein Feldtest in Afrika brachte jetzt den Beweis für die Funktion und Schnelligkeit des Testverfahrens. Links: Dr. Christiane Stahl-Hennig. Foto: DPZ/nh

Göttingen. Ein Feldtest in Guinea brachte den Beweis: Ein mobiles Labor und neues Test-Verfahren aus Göttingen ermöglicht die schnelle Diagnose von Ebola – vor allem in Gebieten, wo keine Labore zur Verfügung stehen.

Ein internationales Team von Infektionsforschern, darunter Ahmed Abd El Wahed von der Uni Göttingen und dem Deutschen Primatenzentrum (DPZ) hat eine neue Methode entwickelt. Das mobile Labor passt in einen Koffer und wird von Solarstrom gespeist, ist somit auch in entlegenen Gegenden einsatzfähig. Und es funktioniert, wie die Tests ergaben.

Die neue RPA genannte Nachweismethode beruht auf der schnellen Identifizierung von Viren bei Umgebungstemperatur. Die Proben werden aus dem Speichel genommen. Bereits nach 30 Minuten liegen die Ergebnisse vor.

Die Feldstudie im westafrikanischen Guinea lief von März bis Mai 2015. Dabei wurden Speichelproben von mutmaßlich an Ebola verstorbenen Menschen analysiert, wie das DPZ Göttingen mitteilt.

Die RPA-Nachweismethode wurde mit zwei üblichen Labor-Nachweisverfahren verglichen. Ergebnis: RPA aus dem Koffer-Labor ist genauso empfindlich wie die herkömmlichen Labor-Verfahren zum Ebola-Nachweis.

Schnell und genau

Ein weiterer großer Vorteil ist nach Aussage von Ahmed Abd El Wahed, dass die neue RPA-Methode die Probennahme enorm vereinfacht: „Sie ist schneller und weniger kompliziert als die Blutentnahme.“ Ein Ergebnis der herkömmlichen Verfahren liegt erst nach mehreren Stunden vor, auch müssen die Proben mehrfach thermisch behandelt werden.

Infektionsforscher El Wahed hatte mit seinen Kollegen Manfred Weidmann und Frank Hufert das Kofferlabor in der ehemaligen Uni-Medizin-Abteilung Virologie entwickelt und dann am Deutschen Primatenzentrum für den Einsatz modernisiert. Fazit des Forschers: „Der Diagnosekoffer erleichtert einen Nachweis von Ebola und anderen Infektionskrankheiten direkt in den Krisengebieten.“ Das Labor und das Testverfahren würden entscheidend zum besseren Management von Ebola-Krisen beitragen. (tko)

Hintergrund: Chronologie der Ebola-Epidemie

Die Ebolafieber-Epidemie, die 2014 in mehreren westafrikanischen Ländern ausbrach, gilt nach der Zahl der erfassten Erkrankungen und Todesfälle als bisher größte ihrer Art. Als Ursprungsort wurde der Südosten Guineas genannt. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkrankten im Verlauf – einschließlich der Verdachtsfälle – bisher 28.575 Menschen an Ebolafieber, von denen 11.313 Todesfälle registriert wurden. Die WHO geht aber von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus.

In mehreren Staaten war der Notstand ausgerufen worden. Die WHO erklärte die Epidemie im Oktober 2014 für Senegal, Nigeria und Spanien als beendet. Seit Januar 2015 gilt Mali als frei von Ebolafieber. Ab Mai wurde Liberia als erstes der drei am stärksten betroffenen Länder für ebolafrei erklärt wurde. Aber: Im Juni gab es einen weiteren Ebola-Toten in Liberia. In den beiden anderen am stärksten betroffenen Länder, Guinea und Sierra Leone, breitet sich die Epidemie zumindest regional weiter aus.

Der Erreger kommt in den Körperflüssigkeiten von Erkrankten vor, beispielsweise in Blut, Exkrementen, Speichel und Samenflüssigkeit. Auch infizierte Tiere und Fleisch sind eine mögliche Infektionsquelle. Das Ebolavirus kann durch direkten Körperkontakt, Kontakt mit Körperflüssigkeiten und über kontaminierte Gegenstände übertragen werden. Es dringt auch über Schleimhäute und offene Wunden, wie Schnitt- und Stichverletzungen, in den Körper ein. (tko) Quelle: Wikipedia

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