Fragen und Antworten

Lager Friedland: Ansturm der Spätaussiedler

Das Grenzdurchgangslager Friedland aus der Luft: Eine Gesetzesänderung führte dazu, dass wieder mehr Spätaussiedler kommen. Foto: dpa

Friedland. Das Grenzdurchgangslager Friedland ist und bleibt das Ziel von Menschen aus aller Welt. Aktuell streben wieder verstärkt deutschstämmigen Spätaussiedler nach Südniedersachsen - dazu Fragen und Antworten.

Wie hat sich die Situation bei den Spätaussiedlern in diesem Jahr entwickelt? 

Im bundesweit einzigen Aufnahmelager für Spätaussiedler Friedland bei Göttingen sind in den ersten drei Quartalen dieses Jahres bereits 4100 Menschen eingetroffen, berichtet Heinrich Hörnschemeyer, der Leiter der Einrichtung.

Ist das ein deutlicher Anstieg der Zahlen bei den Spätaussiedlern? 

Ja, es sind fast zweimal so viele wie im gesamten Jahr 2013, als gut 2400 Aussiedler registriert wurden. Die Spätaussiedler kommen vorwiegend aus der früheren Sowjetunion.

In welchem Jahr kamen die meisten Spätaussiedler? 

Ein absoluter Rekord wurde 1990 erzielt. Allein in diesem Jahr kamen fast 400 000 Spätaussiedler. Danach ging die Zahl kontinuierlich zurück. Mit gut 1800 war 2012 der Tiefststand erreicht.

Warum strömen nun wieder mehr Spätaussiedler nach Deutschland? 

Seit das Bundesvertriebenengesetz im Herbst vergangenen Jahres geändert und dadurch der Nachzug von Familienangehörigen erleichtert wurde, steigt die Zahl der Spätaussiedler wieder.

Wie wird sich der Zustrom in den kommenden Jahren entwickeln? 

Heinrich Hörnschemeyer, Leiter des Grenzdurchgangslagers Friedland, geht davon aus, dass diese Entwicklung auch in den kommenden Jahren anhält. Aktuell leben rund 200 Aussiedler im Lager Friedland. Die Menschen werden nach rund einer Woche nach einem bestimmten Schlüssel auf alle Bundesländer verteilt.

Wie entwickelt die Situation bei den Asylbewerbern in Friedland? 

Weil auch der Zustrom von Asylbewerbern anhält, reichen die regulären 700 Plätze in Friedland nicht mehr aus. „Durch die Aufstellung von Wohncontainern und die Umwidmung von Unterrichts- in Schlafräume haben wir die Kapazität auf rund 900 erhöht“, sagte Heinrich Hörnschemeyer. Diese Plätze werden derzeit dringend gebraucht. Das Lager sei „so gut wie ausgelastet“.

Wie lange bleiben Asylbewerber in Friedland? 

Anders als Aussiedler bleiben Asylbewerber rund drei Wochen in Friedland, bevor sie auf Kommunen in Niedersachsen vereilt werden. (lni/bsc)

Mehr als vier Millionen Aussiedler und Flüchtlinge seit 1945

Seit Errichtung des Grenzdurchgangslagers im Jahr 1945 sind in Friedland mehr als vier Millionen Aussiedler und Flüchlinge aufgenommen worden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Lager laut Online-Lexikon Wikipedia zunächst für vertriebene Deutsche aus den ehemals deutschen Ostgebieten und dem Sudetenland genutzt.

Das Lager wurde seinerzeit von der britischen Besatzungsmacht auf dem Gelände der nach Friedland ausgelagerten landwirtschaftlichen Versuchsanstalt der Universität Göttingen errichtet.

Später wurden Hunderttausende Heimkehrer aus der Kriegsgefangenschaft in Friedland empfangen. Außerdem wurde das Lager als Übergangslager für Übersiedler aus der DDR genutzt.

Heute dient es als Aufnahmelager für Spätaussiedler und Flüchtlinge. Seit gut zehn Jahren ist Friedland die einzige Erstaufnahmeeinrichtung für Spätaussiedler in Deutschland. (bsc)

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