Schrotthandel mit Fahrrad und Bollerwagen

Benjamin Albert aus Reyershausen hat sein Hobby zum Beruf gemacht

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Schrotthandel mit Fahrrad und Bollerwagen: Benjamin Albert aus Reyershausen hat sein Hobby zum Beruf gemacht.

„Alteisen, alte Öfen“, dann die Klingel – wenn Benjamin Albert unterwegs ist, hört man die Ankündigung schon von weitem. Der Schrotthändler in dritter Generation hat sich in Reyershausen niedergelassen. Von dort aus sammelt er Ausrangiertes aus Metall, um es wieder zu versilbern.

„Meine Familie macht das, seitdem ich denken kann“, erzählt der 27-jährige Mann aus Gießen. „Früher als Kind habe ich immer auf dem Beifahrersitz gesessen“, erinnert er sich an die Ausflüge mit dem „Opa“. Damals durfte der Enkel klingeln. Inzwischen läuft die Klingel vom Band mit.

„Morgens, wenn der Rentner die Straße fegt“, müsse er schon unterwegs sein. Aus der Umgebung riefen die Leute ihn an, wenn sie etwas zu verschrotten hätten. Feste Touren wie sein „Opa“ hat der junge Schrotthändler noch nicht. Wenn er in Thüringen oder im Harz unterwegs sei, schaffe er am Tag 300 bis 400 Kilometer.

„Der Beruf wird immer schwieriger“, sagt Albert. Dass er keine weiße Ware mitnehmen darf, sieht er für sich als klaren Nachteil. Wenn er die Waschmaschine nicht holt, bekommt er vielleicht den Metallschrott auch nicht. Manchmal habe er das Auto voll und verdiene trotzdem wenig. „Das Zeug wiegt nicht viel“, ist seine Erklärung.

Für schwere Dinge ist er gut ausgestattet. Mit seinem Kran hebe er um die 200 Kilo. Sein Metier sei nicht nur abhängig vom Tagesgeschäft, sondern außerdem von der Börse. Jetzt mit Corona seien die Preise im Keller. Finanzielle Hilfe bekommt der Schaffer nicht. Auf Nachfrage habe er die Auskunft erhalten, dass der Schrotthandel als Beruf nicht anerkannt werde.

„Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht“, sagt Albert. Es mache ihn zufrieden, Menschen lächeln zu sehen, wenn er ausgediente Dinge aus dem Keller hole. Dabei fehlt es ihm nicht an Vergleichsmöglichkeiten, er ist gelernte Fachkraft im Gastgewerbe. Doch nach einer Zeit in der Selbständigkeit falle es ihm schwer sich unterzuordnen. Dabei sei nicht jeder Tag erfolgreich. Manchmal fahre er deprimiert nach Hause. Doch am nächsten Tag gehe die Arbeit weiter.

Die Liebe zu seinem Beruf ist ihm in die Wiege mitgegeben worden. Albert stammt aus einer Schaustellerfamilie aus Gießen. Im Sommerhalbjahr zog sie durch Deutschland, im Winter wurde Schrott gefahren. Mit sechs Jahren sei er nach Duderstadt gezogen. Mit zwölf habe er angefangen, Schrott zu sammeln. 800 bis 900 Kilo Schrott pro Woche habe er mit Fahrrad und Bollerwagen aus den Firmen dort abgeholt. Aus dem Fahrrad sei bald ein Moped geworden. Sein erster Lkw war ohne Servolenkung. Lang gespart habe er jetzt für den selbst eingebauten Kran.

„Ich arbeite wie ein Tier“, sagt Albert. Er liebt die Abwechslung bei der Arbeit. „Wer einmal Schrott gefahren ist, fährt immer Schrott“, betont er. Als wohl Jüngster im Metier in der Region hat er noch ein langes Arbeitsleben vor sich.

Kontakt: Tel. 0175 2509567.

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