Forschungsprojekt: Landwirtschaftliche Betriebe sollen Senioren helfen

+
Im Dorf bleiben: Viele Menschen wollen im Alter im Heimatort bleiben. Während es in den Städten verstärkt Unterstützungsangebote gibt, mangelt es daran auf dem Land. Wissenschaftler untersuchen nun, ob landwirtschaftliche Betriebe die Lücke schließen können.

Holzminden/Höxter. Interessante Idee: Landwirtschaftliche Betriebe sollen in Dörfern Senioren im Alltag unterstützen. Ob das möglich ist, untersucht ein neues Forschungsprojekt.

Auf ihre vertraute Umgebung wollen viele hochbetagte Menschen nicht verzichten. Während alleinstehende Seniorinnen und Senioren in Städten mehr und mehr Tagesstätten oder WGs finden, die ihnen helfen, nicht zu vereinsamen und auch bei Pflegebedürftigkeit den Heimaufenthalt zu vermeiden, fehlt diese Unterstützung auf dem Land oft. Das Zukunftszentrum Holzminden-Höxter (ZZHH) prüft, ob landwirtschaftliche Betriebe diese Lücke schließen können.

Hintergrund: In kleinen Dörfern ist die Ortsbindung alter Menschen oft sehr ausgeprägt. Damit sie im Dorf auch den Lebensabend verbringen können, ist jedoch manchmal Unterstützung nötig. Das gilt nicht nur bei Pflegebedürftigkeit. Es gehe auch darum, den Alltag zu gestalten, ein gutes Mittagessen zu bekommen oder sich mit anderen zu treffen, so die ZZHH-Mitarbeiter. Oft kann die Familie diese Hilfe nicht bieten, weil immer mehr Frauen arbeiten und junge Leute abwandern.

Dass es eine Lösung für kleine Dörfer geben kann, zeigt die Erfahrung in anderen Ländern – vor allem in Norwegen und den Niederlanden, wo landwirtschaftliche Betriebe Angebote für Senioren machen. Positive Effekte der landwirtschaftlichen Umgebung gerade auf Demenzkranke seien dabei bereits nachgewiesen, so die Wissenschaftler. Formale Vorgaben und die Gesetzgebung könnten diese pragmatische Lösung jedoch verhindern, da Altenhilfe und Landwirtschaft in der deutschen Politik und Verwaltung vollkommen getrennt strukturiert sind.

Ob dieses Problem zutrifft, wollen die ZZHH-Mitarbeiter in einem ersten Schritt des Projekts untersuchen. Außerdem werden Betriebe gesucht, die schon jetzt Angebote für Senioren haben, um deren Erfahrungen analysieren zu können. In einem zweiten Schritt sollen vier Modelle entwickelt werden, die sich in Bezug auf die Zielgruppe und Versorgungsintensität unterscheiden.

Das im Januar gestartete Projekt wird von Claudia Busch und Michael Krisch bearbeitet. Während Claudia Busch nach ihrem agrarwissenschaftlichen Studium Erfahrungen in der Dorfentwicklung sowie der Kombination von Landwirtschaft und sozialer Arbeit gemacht hat, liegt der Schwerpunkt von Michael Krisch in den Pflegewissenschaften und der Arbeit mit Senioren.  (zsh)

Weitere Informationen zum Projekt „VivAge“ gibt es unter: vivage.hawk-hhg.de

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.