Vermehrt Streit um Mietkosten

Heiß umkämpfter Mietmarkt: In Göttingen 10 Euro und mehr üblich

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Neue Geschäftsstelle in Göttingen: Der Mieterverein ist ab sofort an der Prinzenstraße zu finden. Dort berät Anwalt Cornelius Blessin. Es gibt aber auch eine Außenstelle in Hann. Münden.

Der Mietmarkt in Göttingen und Umgebung ist heiß umkämpft. Vermieter versuchen – insbesondere in Göttingen – immer höhere Mieten durchzudrücken.

Diese Erfahrung macht Cornelius Blessin, Rechtsberater und Vorstandsmitglied beim Mieterverein in Göttingen. Oft werden zum Beispiel in den Online-Portalen inzwischen Monats-Kaltmieten von zehn Euro und mehr pro Quadratmeter im Oberzentrum verlangt. 

Es gilt zwar in Göttingen die Mietpreisbremse des Landes. Aber sie ist in der Praxis in der Uni-Stadt nicht anwendbar. Der Grund: Es gibt für Göttingen keinen Mietspiegel, der die ortsübliche Miete darstellt. Dieser Vergleich ist aber notwendig, damit es eine Vergleichsgröße gibt. 

Laut Blessin blockiert die SPD-Ratsfraktion seit vielen Jahren die Erstellung des Mietspiegels mit der Begründung, dass dadurch die Mieten zu stark steigen würden. Nach Ansicht des Anwalts stimmt diese Behauptung nicht. 

„Die Einführung des Mietspiegels würde endlich Klarheit darüber schaffen, ob eine Mieterhöhung beziehungsweise die Miethöhe bei einem Neuabschluss in Ordnung ist.“ 

Deutlich entspannter stellt sich der Markt hingegen im Raum Dransfeld, Hann. Münden und Staufenberg dar. „In vielen Bereichen gibt es dort mehr freie Wohnungen und das spiegelt sich in der Miethöhe deutlich wider“, sagt Blessin. Sie liegen in der Regel mindestens ein Drittel unter dem Göttinger Niveau. Ähnlich gut ist die Situation im Eichsfeld. Auch dort ist noch relativ günstiger Wohnraum zu finden. 

Allerdings gibt es in zahlreichen kleineren Orten im Landkreis Göttingen ein anderes Problem: In vielen Dörfern gibt es keinen Arzt, keinen Lebensmittelmarkt und kaum Busverbindungen. „Wir haben unter unseren Mitgliedern viele Senioren, und die sind auf eine Mindestmaß an Infrastruktur einfach angewiesen“, sagt Blessin.

Eine interaktive Karte mit den mittleren Quadratmeterpreisen für Wohnungsmieten in allen Gemeinden unseres Verbreitungsgebiets finden Sie in dieser Übersicht.

Mieterverein führte 4000 Beratungsgespräche

Im vergangenen Jahr hat der Mieterverein Göttingen, der auch Außenstellen in Hann. Münden und Duderstadt hat, etwa 4000 Beratungsgespräche geführt – Tendenz weiter steigend. Top-Thema sind die Höhe der Nebenkosten für Heizung und Wasserversorgung. Allein um diesen Komplex ging es in etwa 700 Beratungen. Außerdem brannten in mehr als 200 Fällen Kündigungen durch den Vermieter den Ratsuchenden unter den Nägeln. Weiterhin suchten etwa 70 Mieter die Beratungsstellen wegen der Kaution auf.

Mieterverein Göttingen verzeichnet mehr Streitigkeiten

In den vergangenen Jahren gibt es verstärkt Streitigkeiten zwischen Mietern und Vermietern zum Beispiel um Modernisierungskosten und Mieterhöhungen, die der Mieterverein bearbeiten muss.

„Der Spielraum von maximal 15 Prozent Erhöhung wird in vielen Fällen ausgeschöpft“, sagt Cornelius Blessin, Anwalt und Vorstandsmitglied beim Göttinger Mieterverein, der etwa 5000 Mitglieder hat. Auch die Auseinandersetzungen um Kündigungen, zum Beispiel wegen Eigenbedarf, werden deutlich härter geführt, weil die Wohnungsnot so groß ist.

Ein Ärgernis für viele Mieter in Göttingen sind die wegen der Entschuldung der Uni-Stadt gestiegenen Grundsteuersätze, die von den Vermietern über die Nebenkosten umgelegt werden. „Eigentlich wäre jetzt Luft für eine Senkungen gewesen. Stattdessen werden freie Mittel für das Kunstquartier ausgegeben“, kritisiert Blessin. Er befürchtet, dass die Grundsteuer noch weiter in die Höhe schnellen wird, wenn die Straßenausbaubeiträge abgeschafft werden sollten.

Blessin geht zudem davon aus, dass der Druck auf den Wohnungsmarkt in Göttingen in den kommenden Jahren noch weiter zunehmen wird. „Die Bevölkerung wird im Durchschnitt älter und benötigt zum Beispiel intensive medizinische Angebote in der Nähe“, sagt Blessin.

In den vergangenen Jahren ist nach seiner Ansicht zu viel hochpreisiger Wohnraum in der Uni-Stadt entstanden. „Gesucht werden aber bezahlbare Wohnungen für ein bis zwei Personen sowie für Familien ab drei Kindern. In diesen beiden Segmenten gibt es viel zu wenig Angebot“, sagt Blessin. 

Deshalb ist es aus seiner Sicht falsch, große Einfamilienhaussiedlungen in den Dörfern rund um Göttingen auszuweisen. „Wir brauchen Wohnungen in der Stadt.“ Die jetzt in der Uni-Stadt ausgewiesenen Flächen für Wohnungen in Mehrfamilienhäusern reichen laut Blessin nicht aus. „Das ersetzt gerade einmal den Verlust an Wohnungen, die aus der Sozialbindung fallen“, sagt Blessin.

Er sieht zudem grundsätzlich ein Problem in den Internetportalen, in denen Wohnungen angeboten werden. Blessin: „Dort wird insbesondere teurer Wohnraum inseriert. Viele denken, dass dies der ortsüblichen Vergleichsmiete entspricht. Dadurch steigt das Mietniveau noch weiter an.“ 

Kontakt: Mieterverein Göttingen, Außenstelle Hann. Münden, Werraweg 26, 34359 Hann. Münden, Tel. 0551/57952. www.mieterverein-goettingen.de

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