Göttinger Soziologen sehen aber keinen Trend

Landkreis Göttingen: Weniger Frauen bekommen mit über 40 noch ein Kind

Göttingen. Die Zahl der Frauen, die im Alter von über 40 Jahren Mutter werden, ist 2014 im Landkreis Göttingen leicht zurückgegangen. Das teilt das Statistische Bundesamt mit.

Lag der Anteil der Ü-40-Mütter im Jahr 2013 noch bei 4,4 Prozent aller Neugeborenen, so sank der Anteil im Folgejahr auf 3,9 Prozent: 84 Babys wurden von Frauen, die über 40 Jahre alt waren, geboren. Der Kreis Göttingen liegt damit laut Statistischem Bundesamt knapp unter dem Bundesdurchschnitt (4,1 Prozent).

Vor einer Überinterpretation dieser Daten warnt ein Göttinger Demokratie-Forscher: „Wir sollten vorsichtig sein. Nicht jede Veränderung ist immer gleich ein Trend“, sagt Prof. Dr. Berthold Vogel vom Soziologischen Forschungsinstitut (Sofi) Göttingen. In den vergangenen 15 Jahren haben sich laut Vogel die Rahmenbedingungen für Mütter verändert: „Die Bereitschaft von Behörden und Betrieben, auf familienfreundliche Arbeitszeitregelungen einzugehen, hat zugenommen. Die Haltung von Arbeitgebern – ,Wer kleine Kinder hat, ist nichts für meinen Betrieb‘ – ist auf dem Rückzug.“

Die möglichen Gründe für diese Entwicklung sieht der Demografie-Forscher im Fachkräftemangel und darin, dass Arbeitgeber selbst viel stärker mit der Balance zwischen Arbeit und Familie konfrontiert werden. „Berufsausbildung, höhere Lebenserwartung, gute Gesundheitsversorgung und medizinische Betreuung – das alles spricht doch dafür, dass es nicht ungewöhnlich sein wird, dass Frauen und Männer auch in Zukunft später Eltern werden“, fasst Vogel zusammen.

Ähnlich sieht es Prof. Dr. Karin Kurz vom Institut für Soziologie der Uni Göttingen: „Die Familiengründung wird meist auf die Zeit nach dem Studium und zum Teil auch auf die Zeit nach der beruflichen Etablierung aufgeschoben.“ Karin Kurz hat den Eindruck, dass die Akzeptanz von Ü-40-Müttern in der Gesellschaft zwar gestiegen sei, es aber Unterschiede zwischen den verschiedenen gesellschaftlichen Milieus gebe: „In sozialen Milieus, in denen es üblich ist, in jüngerem Alter Kinder zu bekommen, wird späte Mutterschaft eher kritisch gesehen. In Akademikerkreisen, wo ältere Mütter immer mehr zur Normalität gehören, ist die Akzeptanz gestiegen.“

Rubriklistenbild: © dpa

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