Wie geht es 2021 weiter?

Werkstätten protestieren: Weniger Geld für Jugendsozialarbeit in Niedersachsen

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Fordern schon jetzt eine Weiterförderung ab 2021 ein: Die Jugendlichen und ihre Betreuer der BFGoe Jugendwerkstätten in Göttingen.

Göttingen. Die freien Träger der Jugendsozialarbeit in Niedersachsen fürchten um die Finanzierung ihrer Jugendwerkstätten.

In Duderstadt machte die Standortleiterin der Gesellschaft für Arbeits- und Berufsförderung Südniedersachsen (GAB), Julia Adler, auf die Situation aufmerksam. 

„Unsere Zuschüsse aus den Mitteln des Europäischen Sozialfonds sollen von 2021 an gekürzt, wenn nicht sogar ganz gestrichen werden“, sagte Adler bei einem Treffen der Gesellschaft mit der Werkstatt-Schule Northeim/Einbeck, die ebenfalls von Mittelstreichungen bedroht ist. „Das hängt unter anderen wohl auch mit dem Brexit zusammen.“

Berufsqualifizierung

Im Raum steht eine Summe von rund 165 000 Euro, die fehlen könnte. Kein Pappenstiel, wenn man bedenkt, dass die Duderstädter Niederlassung sieben Mitarbeiter umfasst, die sich um 23 Jugendliche kümmern. 

Zu den Zielen gehören unter anderen die Berufsqualifizierung, Hilfen beim Erwerb von Schulabschlüssen und eine Berufseinstiegsbegleitung. Getragen wird die GAB mit ihren Niederlassungen in Göttingen, Hann. Münden und Duderstadt vom Landkreis Göttingen.

Förderung ist nötig

Die Werkstatt-Schule in Northeim betreut im Rahmen ihrer Jugendwerkstätten in Northeim und Einbeck jeweils 16 junge Frauen und Männer. Vera Engelhardt: „Ohne die Förderung geht es nicht.“ Die Werkstatt-Schule bekommt zudem Geld von der Jugendstiftung des Landkreises Northeim. 

Die Finanzierung der Northeimer Jugendwerkstätte ist ab 2021 wackelig, aber nicht die Bank aus einer alten Badewanne, die sie für den neuen Duderstädter Kräuter- und Kunstgarten gebaut haben, hinten rechts die Northeimer Betreuerin Vera Engelhardt. 

Haupt- und Realschulabschlüsse beispielsweise würden die Teilnehmer an den Programmen in einem Zeitraum von einem halben Jahr bis zu zwei Jahren schaffen. „Das hängt von den persönlichen Voraussetzungen ab.“

Protest vor Rathaus

In Göttingen ließen die Pädagogen und Jugendlichen der BFGoe-Jugendwerkstätten symbolisch Luftballons vor dem dem Neuen Rathaus steigen um auf das Finanzierungsende aufmerksam zu machen. 

Unter ihnen war auch Jan-Hendrik Gloth, der sich in der Metallwerkstatt auf eine Ausbildung vorbereitet. Er hatte aufgrund einer Legasthenie und Prüfungsschwäche Probleme, eine Ausbildungsstelle zu finden. Nach seiner praktischen Erfahrung im Handwerk freut sich der 20-Jährige auf das Berufsleben. Die Chance, sich für seine Arbeit einzusetzen, nehme er gerne wahr.

Praktische Hilfe

Die Betreuer Manuel Rojas und Vera Klapproth waren auch am Rathaus. „Ich bin überzeugt von diesem Projekt“, sagt die Sozialpädagogin Klapproth. Sie habe in ihren vier Jahren bei der BFGoe gesehen, dass Jugendliche durch die Arbeit Selbstvertrauen gewinnen. 

Rojas sieht die Stärke des Angebots darin, dass nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch gearbeitet werden kann. So können Göttinger die Produkte der Jugendwerkstatt-Arbeiter in der Stadt sehen: zum Beispiel die Grillaschebehälter im Cheltenham-Park oder die Wippe an der Apfelallee in Grone.

Die BFGoe bietet benachteiligten Jugendlichen berufliche Qualifikation und Orientierung, wenn die durch Schule oder Eltern fehle, sagt die Abteilungsleiterin Sigrid Kleiß. „Alle schätzen die Werkstätten aber die Finanzierung ist immer ein großes Problem.“ 

Da die Haushalte für die Zeit ab 2021 jetzt festgelegt würden, solle die Aktion frühzeitig auf die Bedürfnisse der Werkstätten aufmerksam machen.

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