Duderstädter Weltmarktführer erleidet juristische Niederlage

Rechtsstreit: Prothesen-Hersteller Ottobock soll US-Firma wieder verkaufen

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Zentrale in Duderstadt: Das Firmenlogo des Orthopädietechnikherstellers Ottobock. 

Das Duderstädter Unternehmen Ottobock hat eine juristische Niederlage einstecken müssen. Nun soll es Vermögenswerte eines 2017 erworbenen US-Prothesen-Herstellers wieder verkaufen. 

Das Duderstädter Unternehmen Ottobock hat eine juristische Niederlage einstecken müssen. Die US-Wettbewerbs- und Verbraucherschutzbehörde FTC hat kürzlich in erster Instanz entschieden, dass der Duderstädter Weltmarktführer im Bereich Orthopädietechnik bestimmte Vermögenswerte des 2017 erworbenen Prothesen-Herstellers Freedom Innovations wieder verkaufen soll.

Die Entscheidung der US-Wettbewerbsbehörde FTC (Federal Trade Commission) ist für die strategische Positionierung des Medizintechnik-Anbieters von einiger Bedeutung. Wie aus dem Geschäftsbericht 2017 hervorgeht, hat Otto Bock North America im September 2017 für 71,5 Millionen Euro alle Anteile der FIH Group Holding, dem Eigentümer von Freedom Innovations, gekauft. 

Ottobock hat gegen die Entscheidung Widerspruch angelegt

Nach Angaben eines Firmensprechers hat Ottobock gegen die Entscheidung, die noch nicht rechtskräftig ist, bereits Widerspruch eingelegt. Die erstinstanzliche Entscheidung des FTC Verwaltungsrichters sei aus Sicht von Ottobock „enttäuschend“, heißt es in einer Stellungnahme des Unternehmens. 

Ziel der Akquisition sei es, die Vielfalt und technologische Basis des Angebots prothetischer Produkte zugunsten von Amputierten und Verbrauchern zu stärken. Das Unternehmen werde weiter mit der FTC kooperieren, „um eine für alle Seiten förderliche Lösung zu finden“.

Die US-Wettbewerbsbehörde begründet ihre Entscheidung damit, dass durch die Verschmelzung zweier Prothetik-Hersteller Ottobock zum dominierenden Anbieter für mikroprozessorgesteuerte Knieprothesen in den USA aufsteigen würde. Dies würde den Wettbewerb in diesem Markt wesentlich einschränken.

Kontakt zwischen Ottobock und US-Firma wurde untersagt

Die FTC hatte im Dezember 2017 eine Verwaltungsbeschwerde gegen die Akquisition eingelegt. Das zuständige Gericht gab damals der Beschwerde statt und ordnete an, sofort alle Aktivitäten zur Integration der Freedom Innovations Gruppe in den Geschäftsbereich Ottobock HealthCare zu stoppen.

Außerdem untersagte es jeden direkten Kontakt zwischen Ottobock und Freedom Innovations. Ottobock wies im Geschäftsbericht 2017 darauf hin, dass man durch diese vorläufige gerichtliche Entscheidung keine Kontrolle über die FIH Gruppe habe. 

Man sei durch das zuständige Gericht aufgefordert worden, einen Lösungsvorschlag zu unterbreiten, der gewährleiste, dass die Wettbewerbssituation auf dem US-amerikanischen Markt für mikroprozessorgesteuerte Kniegelenke nicht eingeschränkt sei.

Die jüngste Entscheidung zeigt, dass die Bedenken der FTC offenbar nicht ausgeräumt werden konnten. Ottobock will nach eigenen Angaben nun weiter „potenzielle Handlungspfade“ untersuchen. Freedom Innovations werde derweil seine Geschäftstätigkeit weiterhin als unabhängiges Unternehmen ausüben.

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