Europas größte Kartoffelmesse PotatoEurope 2018

Sorgen im Kartoffel-Land Niedersachsen: Probleme mit der Dürre und dem Image

+
Große Vielfalt: Auf der größten Kartoffelmesse Europas auf dem Rittergut Bockenrode war die „tolle Knolle“ der uneingeschränkte Star. Die Branche macht sich allerdings Sorgen. Insbesondere die Dürreperiode und das Image führen zu Problemen.

Springe. Alle vier Jahre wird ein niedersächsisches Rittergut zur Hochburg der europäischen Kartoffelprofis. In diesem Jahr dreht sich viel um Imagesorgen, Dürreprobleme und die sich ändernden gesellschaftlichen Ansprüche.

Heide-Kartoffelkönigin Luisa Hasse ist das Lächeln noch nicht vergangen. Beim Stelldichein der Kartoffel-Profis aus dem In- und Ausland lächelt sie auf dem Rittergut Bockerode bei Hannover huldvoll in die Kameras. Der Branche ist die gute Stimmung jedoch vergangen: Die Dominanz der Kartoffel auf den deutschen Tellern schwindet, und die Sommer-Dürre trübt die Ernte-Bilanz der Kartoffelbauern.

Kartoffel wird teuerer

Auf Europas größter Kartoffelmesse PotatoEurope 2018 ist bereits von einer historisch niedrigen Ernte die Rede. „Wir müssen die Verbraucher darauf vorbereiten, dass die Kartoffel nicht nur knapper und teurer, sondern auch nicht so schön wie in den vergangenen Jahren sein wird“, sagt Jörg Eggers von der Europlant Pflanzenzucht mit Hinweis auf Schalenprobleme. Der Geschäftsführer verweist auch auf die Dürreprobleme der europäischen Nachbarn: „Besonders stark scheint es auch die englischen Landwirte erwischt zu haben, die berichten ebenfalls von starken Ernteeinbußen.“

Betroffen sind auch die Produzenten von Öko-Kartoffeln, die bundesweit einen Anteil von fünf Prozent haben. „Ohne Beregnung hätten wir dieses Jahr nichts geerntet“, sagt René Döbelt, Vizepräsident der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) und selbst Öko-Kartoffelbauer. Knappes Gut bedeutet höhere Preise – die Branche geht im Vergleich zum Vorjahr von Preissteigerungen um die 30 Prozent aus.

Salzkartoffel ist out

Bundesweit machen dem einstigen Liebling der deutschen Küche auch veränderte Essgewohnheiten und regionale Besonderheiten zu schaffen. Der Trend geht schon seit Jahren weg von der reinen Speisekartoffel und hin zu verarbeiteten Kartoffelprodukten wie Kroketten oder Gratins. „Ein Megatrend, der weiter anhält“, sagt Martin Umhau, Kartoffelbauer aus dem sächsischen Oschatz und DLG-Aufsichtsratsmitglied.

Die Kartoffel-Grenze

Zudem gibt es in Kartoffel-Deutschland eine Art Nord-Süd-Spaltung. Raue Schale, weicher Kern – so liebt man sie im deutschen Osten und Süden, wo die mehligen Varianten in Bayern oder Thüringen auch für Knödel hoch im Kurs stehen. „Die Norddeutschen dagegen mögen es eher festkochend und knackig, wie bei Linda“, sagt Umhau mit Blick auf Kult-Knolle Linda. Die hat nur einen verschwindend geringen Anteil im Vergleich zu der in Deutschland am meisten vermarkteten Sorte Belana, sagt Europlant-Geschäftsführer Eggers. Die Vielfalt ist enorm – sie reicht von Bintje über Desirée, Festo und Sokrates bis hin zu Xerxes oder Trabant.

240 Aussteller

Gut geerdet und sturmverwachsen wie im Selbstbildnis der Niedersachsen – dem deutschen Kartoffelland Nummer eins – ist die einst beliebteste Knolle der Deutschen bei der PotatoEurope noch immer der Star schlechthin. Insgesamt zeigten laut Organisatoren knapp 240 Aussteller aus 14 Ländern ihre Neuheiten bei der Messe, die nach Frankreich, Belgien und den Niederlanden zum vierten Mal wieder in Niedersachsen ausgerichtet wird. Das Bundesland stellt 40 Prozent der bundesweiten Kartoffelproduktion. (dpa/ana)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.