Harz-Fluss soll wieder natürlich fließen

Wehre an der Sieber bei Herzberg sollen ab August zurückgebaut werden

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Wollen das Sieber-Projekt noch in diesem Jahr vollenden: (von links) Naturschutzförsterin Claudia Quandt, Torsten Knoblauch vom NLWKN aus Göttingen und Dietmar Sohns vom Forstamt Riefensbeek.

Im Sommer werden die alten Wehranlagen der Holzschleifereien Sieber II und III zurückgebaut. 

So könne die Sieber dort wieder ökologisch durchgängig fließen, teilte das Niedersächsische Forstamt Riefensbeek als Grundeigentümerin mit. Die Arbeiten zum Rückbau beginnen im August und sollen bis Oktober dauern.

Die Sieber ist das einzige größere Fließgewässer im Westharz, das nicht durch eine Talsperre verbaut ist. Als wichtige Lebensader im Wald vernetze die Sieber wertvolle Biotope und biete vielen bedrohten Arten einen Rückzugraum, heißt es von den Niedersächsischen Landesforsten. Nach dem Rückbau der Wehre können Kleinlebewesen und seltene Fischarten das Fließgewässer wieder grenzenlos durchwandern.

Der naturbelassene Bach entspringt am Bruchberg auf 922 Meter über Meereshöhe. Auf seinem 9,5 Kilometer langem Weg bis an den nördlichen Ortsrand von Herzberg in 280 Meter Höhenlage fließt er durch abwechslungsreiche Harzer Bergwälder. Im Zuge ihres Sieber-Projektes wollen die Niedersächsischen Landesforsten und die Wasserschutz-Behörde NLWKN mit dem Gewässerrückbau erreichen, dass der Fluss vollständig ökologisch durchgängig verläuft. Dazu werden die alten Wehre der Holzschleifereien Sieber II und III zurückgebaut und die natürlichen Gefälleverhältnisse wieder hergestellt.

„Dies bedeutet eine qualitativ hochwertige Vernetzung von bisher abgeschnittenen Nebengewässern und dem Oberlauf der Sieber. Aufgrund der Lage innerhalb von Naturschutz- und FFH-Gebieten und teilweise im Nationalpark Harz erwarten wir neben den Zielen der EG-Wasserrahmenrichtlinie große Synergieeffekte naturschutzfachlicher Art“, sagt Fachplaner Torsten Knoblauch vom NLWKN Göttingen. „Bei niedrigen Wasserständen im Sommer rechnen wir mit einer Bauzeit von rund sechs Wochen“, erklärt Dietmar Sohns, Betriebsdezernent im Forstamt Riefensbeek.

Ziel sei es, möglichst naturnahe Fließverhältnisse besonders bei niedrigem Wasserstand sicherzustellen. Auch die Betreiber des Freibades in Sieber seien in die Planung mit einbezogen. 

Die Sieber half bei der industriellen Produktion von Papier

Besonders für die Entwicklung der Stadt Herzberg war die Sieber seit vielen Jahrhunderten enorm wichtig. Das Wehr Sieber VI im Domeierpark speist den Mühlengraben und den Juessee. Wichtige Mühlen, wie beispielsweise die Untermühle, die ab dem Jahr 1600 das Herzberger Schloss mit Wasser versorgte, waren für die Stadtentwicklung von großer Bedeutung. Aber auch im Siebertal nördlich von Herzberg gab es zum Ende des 19. Jahrhunderts die Holzschleifereien I-V und einige weitere kleinere Anlagen zur Nutzung der Wasserkraft. Dort wurde das Wasser mithilfe der Wehren aus der Sieber hinaus geleitet, in Gräben neben der Sieber mit geringem Gefälle weitergeführt und dann durch ein Druckrohr mit einer Turbine zum Beispiel zur Stromerzeugung zurück in die Sieber geführt. So war es möglich, im Siebertal durch den Holzschliff die Produktion für Papier zu industrialisieren.

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