Mehr Geld für Berufsschulen

Landkreistag in Bad Lauterberg: Kreise klagen über Fachkräftemangel

Sieht in Berufsschulen einen Anker für die Gewinnung von Fachkräften: Bernhard Reuter, Landrat des Kreises Göttingen und Präsident des Niedersächsischen Landkreistags.
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Sieht in Berufsschulen einen Anker für die Gewinnung von Fachkräften: Bernhard Reuter, Landrat des Kreises Göttingen und Präsident des Niedersächsischen Landkreistags.

Bad Lauterberg. Mit dem steigenden Fachkräftemangel beschäftigt sich der Landkreistag. Zu ihm gehören die 36 niedersächsischen Kreise und die Region Hannover an.

Das, was in der Industrie und dem Handwerk längst zur Alltagsbewältigung gehört, trifft nun auch die Landkreise: Ihnen fehlen Fachkräfte – in den Verwaltungen. Mit dem Fachkräftemangel beschäftigen sich die Landkreischefs während ihrer Versammlung in Bad Lauterberg. Dem Landkreistag gehören die 36 niedersächsischen Landkreise und die Region Hannover an.

IT-Experten fehlen

Der Fachkräftemangel weitet sich aus. Dass kaum noch IT-Experten in öffentlichen Betrieben anheuern, ist bekannt. Sie werden mit Kusshand auch in der Wirtschaft genommen und mit entsprechend – höheren Gehältern – geködert. Aber in den Kreishäusern fehlen mittlerweile auch schon ganz normale Verwaltungsangestellte, wie der Präsident des Niedersächsischen Landkreistags (NLT) und der Landrat des Kreises Göttingen, Bernhard Reuter, sagt.

Auch Kreise schuldig

Mitschuldig für den Fachkräftemangel seien aber auch die Landkreise selbst, sagt Matthias Büschking vom Verdi Landesbezirk Niedersachsen-Bremen. „Viele Kommunen haben bei ihrer langfristigen Personalplanung den demografischen Wandel ein wenig aus den Augen verloren.“ Obwohl viele ältere Kollegen in den Ruhestand gegangen seien, wurden die Azubi-Zahlen nicht entsprechend erhöht.

Azubis fehlen

Das aber sei gar nicht so leicht, entgegnet NLT-Präsident Reuter: „Denn wir haben nicht mehr so viele Bewerberinnen und Bewerber wie früher.“

Woran liegt das? Sicher auch an der Attraktivität der Jobs. Laut Verdi müssen die Kommunalverwaltungen attraktiver werden, indem sie flexiblere Arbeitszeitmodelle anbieten, eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie etwa durch Home-Office gewährleisten oder kostengünstige Kita-Plätze für den Nachwuchs des Personals bereit halten. 

Laut Büschking seien aber auch finanzielle Anreize nötig. Letzteres unterschreibt auch Landrat Reuter, der sich auch ein Weihnachtsgeld für Beamte wünscht.

Bremse für Wirtschaft

Die Landkreisversammlung schaute aber nicht nur in die eigenen Häuser, sondern auch in die Wirtschaft, wo der Fachkräftemangel drastisch einschlägt und „sich zunehmend zu einer Bremse für die Wirtschaft entwickelt“, wie der Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen, Volker Müller, sagt.

Flüchtlinge helfen

Die Statistik legt die Wunden offen: Es gibt mehr offene Stellen als verfügbare Arbeitskräfte mit entsprechenden Qualifikationen. Betroffen seien – unabhängig von Regionen – viele Branchen, vor allem der Tiefbau, die Ver- und Entsorgung, die Elektrotechnik, das Handwerk, die IT-Branche sowie die Kranken- und Altenpflege. „Ohne Flüchtlinge wären die Zahlen der Ausbildungsbewerber jetzt schon deutlich rückläufig“, betont Müller.

Kein Wunder also, dass die Unternehmerverbände neben einer besseren Aus- und Weiterbildung von Langzeitarbeitslosen eine verstärkte Integration von Einwanderern in den Arbeitsmarkt fordern. 

„Wir fordern ein Zuwanderungsgesetz, das geregelte Zuwanderung nach dem Bedarf unserer Wirtschaft ermöglicht“, sagte Müller. „Wir brauchen die Zuwanderung von Fachkräften“, glaubt auch NLT-Präsident Reuter. Flüchtlinge sollten zu Einwandern gemacht werden. „Wer hier Arbeit hat, sollte vom Grundsatz bleiben dürfen.“

Anker Berufsschulen

Einen Beitrag gegen den Fachkräftemangel müssen laut Landkreistag die Berufsschulen leisten. Deren finanzielle Ausstattung der Berufsbildenden Schulen in Niedersachsen aber sei unzureichend, die Lehrerversorgung schlecht, ebenso die Quote der Unterrichtsversorgung. 

Das sei nicht hinnehmbar, denn die „Berufsschulen sind ein Anker für die Gewinnung von Fachkräften“, sagt Bernhard Reuter, der auch eine bessere Zusammenarbeit der Berufsschulen in Regionen und Kreisen fordert. (mit dpa)

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