Niels-Arne Münch tritt für eine sozialere Wirtschaft ein

Landtagswahl: Ein Pirat mit sozialer Ader

Politik und Bücher: Das nicht nur für Niels-Arne Münch zusammen. Der Göttinger kandiert für die Piratenpartei für die Landtagswahl. Foto: Kopietz

Göttingen. Diesen Mann in eine politische Schublade zu stecken, ist kein einfaches Unterfangen. Niels-Arne Münch – Direktkandidat der Piraten in Göttingen – hat sich nie in einer Partei verbiegen lassen und eine wechselhafte Laufbahn hinter sich.

Politisch fasziniert hat ihn keine geringere als Rosa Luxemburg, geprägt die Diskussionen über Politik mit seinen höchst unterschiedlich denkenden Eltern und Großeltern.

Für ein Arbeitszimmer mit diesem Ausblick würden viele in Göttingen viel Geld bezahlen: Der bodenständige Münch schwebt über den Dächern im Ostviertel. Das Büro hat schon sein Vater genutzt, der in dem markanten Haus an der Hansenstraße lange seine Psychiatrische Praxis hatte. „Nicht schlecht“, sagt Münch, der im gleichen Haus im Souterrain mit seiner Frau und dem 18 Monate alten Sohn Finn lebt.

Momentan führt Münch von hier die Geschäfte der kleinen Piraten-Fraktion im Stadtrat und steuert seinen Wahlkampf. Er tritt für die Piraten um ein Direktmandat an – auf der Liste der Partei steht er nicht und weiß deshalb, dass er nicht in das Landesparlament einziehen wird, aber Politik mit der Zielrichtung Karriereplanung, das ist und war ohnehin nicht sein Ding.

Einst hat er die PDS in Göttingen auch mit Patrick Humke (Linke) aufgebaut. Bei den Linken war er passives Mitglied. Ausgetreten ist der diplomierte Sozialwirt dann, „weil die Partei zunächst für die Atompolitik war“.

Und warum nicht die Grünen? „Sympathisiert habe ich mit ihnen, aber mir fehlte das soziale Profil.“ Sie machten zu sehr Politik für die Leute, die sich das leisten können, begründet Münch. „Die Piraten, das passt besser, bei uns ist die soziale Komponente in der Politik stärker gegeben.“

Der Ur-Göttinger, der am Max-Planck-Gymnasium, wenige hundert Meter entfernt von seinem Elternhaus in der Wilhelm-Weber-Straße, sein Abitur gemacht und an der Uni Sozialwissenschaften studierte, mag „seine“ Stadt. Sie sei überschaubar und höchst lebenswert, vor allem für Familien. Für Münch ist auch der Erhalt der Parks in Göttingen wichtig – am Leineberg gäbe es für den Bau des Festen Hauses eine Möglichkeit, der Park könnte erhalten bleiben.

Fördern möchte der 40-Jährige auch die lokale Wirtschaft, vor allem nachhaltige Initiativen von Bürgern wie „Transition Town“. Es gehe in der Politik, stark darum, sozialere Wirtschaftformen zu entwickeln und zu stützen.

Auf dem Tisch liegt das Buch „Wohlstand ohne Wachstum?“ Denn weitermachen wie bisher könne man nicht, die Krisen zeigten das. Um die Folgen vorauszusehen, dafür braucht es bei Münch keine große Fantasie. Obwohl er die eigentlich hat, denn seine Leidenschaft ist das Lesen von Fantasy-Büchern. Beruflich träumt Münch, der eine Textwerkstatt betreibt, davon, wieder mehr zu schreiben – irgendwann vielleicht sogar einen Roman.

Von Thomas Kopietz

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