Landvolktag: Bauernverbands-Vize fordert mehr Ehrlichkeit

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Gastredner beim Landvolktag in Landolfshausen: Werner Schwarz, Vize-Präsident des Deutschen Bauernverbandes. Foto: Mühlhausen

Landolfshausen. Die Landwirte in der Region setzen weiter auf Dialog mit der Gesellschaft, fordern diese aber auf, die modernen Produktionsverfahren der Landwirtschaft zu akzeptieren.

„Wir wollen im Dialog bleiben und sind bereit für Veränderungen“, diese müssten aber in erprobten Pilotprojekten auch praxistauglich sein, sagte Kreislandwirt und Landvolk-Vorsitzender Hubert Kellner vor über 200 Gästen beim Landvolktag in Landolfshausen.

Der Verbraucher sei noch nie weiter von der Landwirtschaft entfernt gewesen als heute, das Bild der Landwirt werde fast ausschließlich über die Medien vermittelt: „Entweder als Depp in „Bauer sucht Frau“, als Massentierhalter, der Tiere seine quält im Reportage-Magazin oder als Landlord im Rosamunde-Pilcher-Film“, so Kellner. Mit der Wirklichkeit aber habe all das wenig gemein.

Gleichwohl stecke in jedem Verbraucher ein wenig Landwirtschaft, der Blick in den Kühlschrank beweise das jeden Morgen: „Da müssen wir anknüpfen, wir müssen wieder mehr miteinander statt übereinander reden.“ Öffentlichkeitsarbeit sei für die Bauern ein neuer Produktionsfaktor und dessen Währung heiße ,Vertrauen’.

Daran knüpfte auch Gastredner Werner Schwarz an. Der Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein und Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes ermunterte die Bauern, „zu erklären, was wir warum wie machen“ - bevor das andere täten. Schwarz forderte mehr Objektivität, mehr Sachlichkeit und mehr Ehrlichkeit: „Der beste Botschafter der Landwirtschaft ist der Bauer und die Bäuerin vor Ort. Die Person des Bauern hat eine ganz hohe Akzeptanz. Das gilt aber nur begrenzt für unsere Wirtschaftsweise, die vielen Menschen heute unbekannt ist.“ Die Landwirte müssten sich daher mehr darstellen und erklären - durch die gute Ausbildung könnten sie das auch -, sie müssten mehr Bilder zeigen und Geschichten erzählen, statt dieses den Kritikern zu überlassen.

Schwarz räumte ein, dass das früher kaum nötig gewesen, heute aber umso wichtiger sei: „Wir lernen derzeit massiv dazu. Wir sind noch immer viel zu oft der Gegenstand einer Kampagne, werden aber langsam selber kampagnenfähig.“

Selbstkritisch bleiben

Dazu gehöre auch, dass man selbstkritisch bleibe und kritische Themen thematisiere. Die Ausbringung von Gülle beispielsweise sei „eine Kreislaufwirtschaft im besten Sinne des Wortes“, weil Ausscheidungen der Tiere sowie Pflanzenreste wieder als Dünger eingesetzt werden. In der öffentlichen Diskussion allerdings sei das Thema fast ausschließlich negativ besetzt.

An die jungen Landwirte appellierte Schwarz, „selbstbewusst und mit geradem Rücken“ durchs Leben zu gehen. Das, was Landwirte tun, werde von der Gesellschaft tagtäglich gebraucht - und das müsse man der Gesellschaft auch besser vermitteln.

eim Landvolktag in Landolfshausen wurden junge Landwirte geehrt, die ihre Abschlussprüfungen erfolgreich bestanden haben

Ausgezeichnet wurden Robin Basel (Adelebsen), Rouven Engelhardt (Bilshausen), Johannes Kraft (Meensen), Torben Schumacher (Adelebsen), Jonas Thies (Reiffenhausen), Henrik Sohnrey (Esebeck) sowie Bastian Kupke (Groß Ellershausen). Zudem wurde Felix Bartens (Groß Ellershausen) für den erfolgreichen Agrar-Bachelorabschluss ausgezeichnet. (phl)

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