Landvolktag in Landolfshausen

Die Bauern brauchen neue Bündnisse und mehr Öffentlichkeitswirkung

Festredner: Gerald Dohme aus der Geschäftführung des Deutschen Bauernverbandes (DBV) sprach beim Landvolktag in Landolfshausen. Foto: Christian Mühlhausen/Landpixel

Landolfshausen - Beim Landvolktag am Freitag ging es auch um die künftige Rolle der Landwirte und ihrer Betriebe in einer sich wandelnden Gesellschaft.

Landolfshausen –Mehr und vielfältigere Anforderungen aus allen Richtungen der Gesellschaft prasseln auf die Landwirte ein. Eine starke Vertretung im Verband sei auch deshalb notwendig. Das sagte Gerald Dohme aus der Geschäftsführung des Deutschen Bauernverbandes (DBV) beim Landvolktag in Landolfshausen.

Der DBV in Berlin sei gut und breit aufgestellt, er arbeite aktiv für seine Mitglieder an diesen Herausforderungen – er brauche aber weiter die Gesamtheit der Landwirte als Unterstützung, um mit einer Stimme zu sprechen und Gehör zu finden, so Festredner Dohme.

Die 250 Gäste hörten aufmerksam zu, auch, als Dohme das Spannungsfeld aufzeigte, in dem man sich befinde: „Es gibt 5000 Lobbyisten in Berlin“, sagte Dohme – die Landwirte seien also nur eine von vielen Gruppen, die sich für ihre Anliegen engagieren würden. Der Berufsstand müsse sich dabei aber auch stetig anpassen.

Als Beispiel nannte er Kooperationen, wie etwa das „FRANZ-Projekt“, bei dem man im Schulterschluss mit dem Naturschutzbund Nabu und der Michael-Otto-Stiftung die Wirksamkeit von „Greening-Maßnahmen“ in der Agrarlandschaft untersuche. Für dieses Projekt habe man sogar den Nachhaltigkeitspreis des Umweltministeriums gewonnen.

Dohmes Botschaft an die Landwirte: „Ändere dich, bevor es andere für dich tun.“

Die Landwirte müssten für ihre Öffentlichkeitsarbeit andere und emotionalere Bilder schaffen, allein mit Fach- und Sachargumenten dringe man nicht mehr in die von Meinung geprägten Debatten vor. Und: „Wir müssen schneller werden.“

Auch Dank sozialer Netzwerke würden Themen heute innerhalb von Stunden meinungsmäßig besetzt, da könne eine Pressemitteilung eines Verbandes nicht erst tagelang durch alle Gremien gehen. Er regte an, dass die Öffentlichkeitsarbeit ein fester Bestandteil der landwirtschaftlichen Berufsausbildung sein müsse.

Die Branche müsse auch den Mut aufbringen, schwarze Schafe zu benennen. Ein Landwirt, der etwas falsch mache, zerstöre damit die guten Ansätze von 50 Berufskollegen. „Wir als Bauernverband stehen nicht für die, die sich nicht an die Spielregeln halten.“

Göttingens Erste Kreisrätin Christel Wemheuer bescheinigte dem Landvolk eine gute Zusammenarbeit auf vielen Ebenen – auch im Bereich der FFH-Schutzgebietsausweisungen, bei denen es „nach ruckeligen Anfangsschwierigkeiten“ jetzt besser laufe. Gleichzeitig warb sie um Verständnis, dass bei der geplanten Neuausrichtung der EU-Agrarpolitik der Landkreis ein Interesse habe, über die „ELER-Förderung“ auch andere Projekte außerhalb der Landwirtschaft im ländlichen Raum zu unterstützen. Denn es gebe eine ganze Reihe an Herausforderungen, unter anderem im Artenschutz.

Wichtig sei, dass weiter die ganze Vielfalt an landwirtschaftlichen Betrieben erhalten bleibe, zumal es schon Dörfer gebe, in denen es keine Landwirte mehr gibt.

Wemheuer warb für die von den südniedersächsischen Kreisen beim Land Niedersachsen eingeforderte Grünlandprämie, damit für den Naturschutz wertvolles, aber wirtschaftlich uninteressantes Grünland an Hängen in Südniedersachsen weiter gepflegt werden könne, etwa von Weidetierhaltern.

Göttingens Landvolkvolkvorsitzender Hubert Kellner sagte, die Gesellschaft brauche die Landwirte, denn diese hielten die Dörfer lebendig. Statt den Mobilfunkstandard 5 G brauche es Bauern in den Ortschaften.

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