Kein Spaß mehr, Bauer zu sein

Landvolktag: Kritische Worte für Ministerpräsident Weil

Geschenk und kritische Worte: Der Vorsitzende des Landvolkes Göttingen, Hubert Kellner (rechts) hatte Präsent parat für den Ehrengast beim Landvolktag in Landolfshausen, Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Foto: Mühlhausen

Landolfshausen. Die Emotionen kochten hoch beim Landvolktag in Landolfshausen. Das bekam auch Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) zu spüren.

Ein mit 250 Gästen volles Haus, deutliche Worte und ein Ministerpräsident als Gastredner, das war die Szenerie in Landolfshausen. Und es ging von Beginn an zur Sache, als Landvolk-Vorsitzender Hubert Kellner sagte: „Es macht keinen Spaß mehr, Bauer zu sein.“ Immer neue Vorschriften und bürokratische Auflagen, dazu das Schmuddel-Image der Agrarindustrie, zudem leide man unter der niedersächsischen Agrarpolitik.

Im Land aber spiele die Landwirtschaft eine wichtigere Rolle, sie sei das Rückgrat des Ländlichen Raumes: Als zweitgrößter Arbeitgeber in Niedersachsen, tragen zur Wertschöpfung neben den 40.000 Höfen auch vor- und nachgelagerte Bereiche mit Milliardenumsätzen bei. „Stirbt die Landwirtschaft in den Dörfern, stirbt das Dorf“, spitzte Kellner zu. Auch Landrat Bernhard Reuter bekam kritische Worte zu hören: Bei der Ausweisung der Flora-Fauna-Habitat-Gebiete (FFH) fordern die Landwirte, dass sie auch künftig dort Land- und Forstwirtschaft betreiben können. Daher dürfe man statt Naturschutzgebiete nur Landschaftsschutzgebiete ausweisen. Reuter entgegnete: Bei den FFH-Gebieten werde man aber nicht ohne Naturschutzgebiete auskommen. Er appellierte an die Landwirte, sich in diese Prozesse inhaltlich einzubringen. Dennoch wolle man das gleiche Ziel erreichen: Eine starke Landwirtschaft im Landkreis.

Ministerpräsident Weil verteidigte die Landwirtschaftspolitik: „Wir sind Agrarland Nummer eins und wollen es auch bleiben.“ Aber damit die Landwirtschaft auf Dauer stark bleibe, müsse sich etwas ändern – selbst die CDU habe die sanfte Agrarwende schon in ihre Programmatik übernommen. Weil verwies auf den rasanten Strukturwandel, die gestiegene Produktivität und den Fortschritt in den Landwirtschaft – diese Medaille habe aber auch eine Kehrseite, und die Öffentlichkeit trage die Entwicklung nicht uneingeschränkt mit. Der Regierungschef stellte sich demonstrativ hinter seinen Minister Christian Meyer und verteidigte ihn auf ganzer Linie wie bei den Themen Schweineschwänze kupieren und Nitrat im Trinkwasser. Diese Bausteine, auch die Förderung von kleinen und mittleren Betrieben, seien für und nicht gegen die Landwirtschaft entwickelt worden. Ziel sei, dass man mit Lebensmitteln aus Niedersachsen Attribute verbinde wie „hochwertig, sauber und sicher produziert, „Made in Niedersachsen.

Ministerpräsident Weil beim Landvolktag

Stephan Weil betonte: Ihm seien Vereinbarungen auf freiwilliger Basis lieber als Gesetze. Und eine auch künftig starke Landwirtschaft in Niedersachsen bekomme man nur gemeinsam hin. „Machen sie mit, bringen sie sich ein.“

Von Christian Mühlhausen

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