Landwirte beklagen mangelndes Wissen und suchen am Samstag das Gespräch

Freuen sich auf Gespräche: Landwirt Andreas Hesse aus Ossenfeld und Landvolk-Geschäftsführer Achim Hübner. Foto: Schlegel

Göttingen/Ossenfeld. Mit der Bevölkerung wollen Landwirte aus Südniedersachsen am Samstag, 21. Januar, in der Göttinger Fußgängerzone ins Gespräch kommen. Einen von ihnen ist Andreas Hesse (50) aus Ossenfeld bei Dransfeld.

Negative Darstellung

„Unsere Berufsgruppe wird oft zu negativ dargestellt“, sagt Andreas Hesse, Vorsitzender des Landvolk-Bezirks Dransfeld.

Nitrat-Belastung

Ein Thema ist beispielsweise die Nitrat-Belastung im Grundwasser: „Wir gehen bei der Düngung äußerst sorgfältig vor und geben nur so viel auf Äcker, wie unbedingt notwendig ist“, sagt Hesse. Dazu sei er bereits aus wirtschaftlichen Aspekten gezwungen, weil Dünger besonders teuer ist. Die Düngung eines Ackers kostet zwischen 200 und 250 Euro pro Hektar im Jahr. „Da kommt es auf jedes Kilo an, das wir aufbringen.“ Dabei gibt es wissenschaftliche Unterstützung durch Bodenuntersuchungen.

Gülle ist kein Thema

Gülle spielt in Südniedersachsen hingegen so gut wie keine Rolle. Hesse selbst hat keine Tiere, sondern baut Silomais für eine Biogasanlage im Nachbarort Barterode an. „Dadurch habe ich kurze, Wege, was ökologisch und ökonomisch sinnvoll ist.“

Wenig Viehhaltung

Außerdem gibt es in Südniedersachsen nur etwa 0,3 Kühe pro Hektar. Im Nordwesten stehen pro Hektar bis zu zwei Kühe im Stall. Allerdings gibt es auch Bereiche in Deutschland mit wenig Viehhaltung, die trotzdem eine hohe Nitrat-Belastung im Boden haben. „Einen klaren Zusammenhang zwischen der Landwirtschaft und dem Nitrat-Problem gibt es nicht“, sagt Landvolk-Geschäftsführer Achim Hübner.

Kleinere Betriebe

Ein weiteres Problem ist die Definition der Massentierhaltung: „Wir haben hier nur kleinere Betriebe mit maximal 2000 bis 2500 Schweinen“, sagt Hübner. Bis heute ist aber nicht festgelegt, ab welchen Tierzahl und Haltungsbedingungen die Massentierhaltung überhaupt beginnt, beklagt der Landvolk-Geschäftsführer. „Wenn man das nicht benennt, kann man mit uns nicht diskutieren.“

Gute Erfahrungen

Die Landwirte beklagen zudem, dass insbesondere Kinder nicht mehr richtig bekannt ist, wie die Lebensmittel in die Läden kommen. „Viele wissen gar nicht, wie Landwirte Tiere großziehen und Feldfrüchte anbauen“, sagt Hesse. Deshalb will der Ossenfelder Landwirt mit der Bevölkerung ins Gespräch kommen und hat bei einer ähnlichen Veranstaltung im vergangenen Jahr gute Erfahrungen gemacht.

Lehrberuf

So waren Gesprächspartner Hesses überrascht, als sie erfuhren, dass Landwirtschaft ein Ausbildungsberuf ist und viele Bauern einen Abschluss als Meister oder Ingenieure haben. Die kalten Wintermonate nutzt Hesse immer wieder zur Fortbildung in seinem Beruf. „Wir müssen ständig auf dem neuesten Stand bleiben, damit wir fortbestehen können.“

Nächste Generation

Landwirt Hesse hat sich vorgenommen: „Ich möchte meinen Betrieb so an die nächste Generation weitergeben, dass auch mein Sohn dauerhaft auf unserem Grund und Boden Landwirtschaft betreiben kann.“ (bsc)

Ackerbaubetrieb mit 160 Hektar Fläche

Andreas Hesse bewirtschaftet mit seinem Sohn und seiner Frau im Haupterwerb einen reinen Ackerbaubetrieb.

Auf einer Fläche von 160 Hektar baut er vor allem Weizen, Gerste und Raps an. Für eine Biogasanlage wird auf einer Teilfläche Silomais angebaut. Der Hof besteht bereits seit vielen Generationen. (bsc)

Gespräche am Samstag am Gänseliesel

Unter dem Motto „Redet mit uns, statt über uns!“ lädt das Landvolk Göttingen für Samstag, 21. Janaur, von 10 bis 13 Uhr zu einem Gesprächstag am Gänseliesel ein.

Dabei wollen die Landwirte mit den Passanten über ihre Arbeit ins Gespräch kommen. (bsc)

www.wir-machen-euch-satt.de

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