Naturschutzgroßprojekt - Tagung in Duderstadt

Landwirte demonstrieren gegen Grünes Band

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Naturidylle am ehemaligen Grenzstreifen: Das Naturschutzgebiet um das Grüne Band soll ausgeweitet werden, auch auf angrenzende Landwirtschaftsflächen. Dagegen gibt es Protest.

Göttingen/Duderstadt. Die Entscheidung für oder gegen das Naturschutzgroßprojekt „Grünes Band Eichsfeld-Werratal“ auf 30.000 Hektar an der einstigen innerdeutschen Grenze, steht bevor: Am Donnerstag trifft sich in Duderstadt die „Projektbegleitende Arbeitsgruppe“.

Dazu gehören mehr als 60 Entscheidungsträgern der Region, des Bundes und der Länder, um über den Fortgang zu beraten, dabei geht es auch um die Finanzierung. Am Donnerstag bereits machen Landwirte in Duderstadt Front gegen das Projekt.

Die Landwirte fürchten vor allem eine neue grüne Grenze und Einschränkungen bei der Bewirtschaftung. Nach Angaben des Bauernverbandes Landvolk Göttingen werden dazu ab 8.30 Uhr mehr als 300 Landwirte und Eigentümer mit 50 Schleppern am Jugendgästehaus erwartet.

Ziel des Projektes ist es, Biotope, die sich über Jahrzehnte im Schatten der Grenze entwickelt haben, zu verbinden und in die angrenzenden, landwirtschaftlich genutzten Regionen auszuweiten. Federführend für das Projekt ist die in Herbigshagen ansässige Heinz-Sielmann-Stiftung.

Die bisherigen Ergebnisse der nun endenden Projektphase sollen bereits am Mittwoch soll in Duderstadt mit den Fördermittelgebern verhandelt werden. Ob und wieweit das Projekt umgesetzt wird, hängt von der Entscheidung der Sponsoren ab: der Bund sowie die drei beteiligten Länderministerien aus Thüringen, Niedersachsen und Hessen.

Flächen wie bisher bewirtschaften

Die Landwirte bemängeln, dass sich der Schutz nicht auf den einstigen Grenzstreifen beschränke, sondern in der Planung weit in die angrenzenden Gebiete hineinreiche. „Wir wollen wie bisher unsere Landschaft bewirtschaften, nutzen und bewahren. Wir haben sie zu dem gemacht was sie ist – das machen wir auch weiterhin ohne übergestülpe Regulierung“, heißt es in einem Demonstrationsaufruf der Interessengemeinschaft „Naturschutzgroßprojekt Grünes Band Eichsfeld-Werratal“.

Die Heinz-Sielmann-Stiftung hatte nach Protesten 2012 angekündigt, das Projektgebiet deutlich zu verkleinern und auf die Chancen verwiesen, die das mit zehn Millionen Euro ausgestattete Projekt bietet. Man nehme die Kritik sehr ernst, habe jüngst oft den Dialog gesucht und nun mit Änderungen im Planungsablauf reagiert, heißt es.

Der Ex-Vorstand der Stiftung, Michael Spielmann, hatte der HNA vor einem Jahr gesagt: „Das oberste Prinzip heißt dabei aber Freiwilligkeit. Ohne den Willen des Grundstückseigentümers wird nichts auf der Fläche geschehen. Wir haben kein Instrument, etwas per Zwang umzusetzen und wollen das auch gar nicht.“

Klar ist: Auf über 3000 Hektar Fläche haben Landwirte und Eigentümer allein auf niedersächsischer Seite per Unterschrift signalisiert: „Naturschutzgroßprojekt? - Aber ohne meine Flächen.“

Von Christian Mühlhausen

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