Fragen zur Landesdüngeverordnung

Landwirte im Landkreis Göttingen sind verunsichert von neuer Abstand-Regelung beim Düngen

Kreislandwirt Markus Gerhardy (links) und Landvolk-Geschäftsführer Achim Hübner halten Wasserwaage und Zollstock in die Kamera und suchen den richtigen Abstand beim Düngen.
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Auf der Suche nach den richtigen Abständen: Kreislandwirt Markus Gerhardy (links) und Landvolk-Geschäftsführer Achim Hübner.

Landwirte in Südniedersachsen sind gefrustet. Ab sofort müssen sie bei der Düngung ihrer Äcker neue Regelungen zu Abständen an Gräben einhalten.

Seeburg - Und offenbar weiß keiner, wie das umgesetzt werden soll. So das Fazit nach einem Ortstermin bei Seeburg, zu dem der Bauernverband Landvolk Göttingen geladen hatte.

Landvolk-Geschäftsführer Achim Hübner bringt es auf den Punkt: „Wenn ich Auto fahre und ein Schild mit Tempo 30 sehe, weiß ich, wie ich mich zu verhalten habe.“ Anders sei das bei den neuen Düngeregelungen: „Da fischen wir alle im Trüben, auch die Kontrollbehörden und die Berater.“

Neue Abstandsregel soll verhindern, dass Düngemittel bei Starkregen in Gräben gelangt

Mit der seit Mai geltenden Landesdüngeverordnung müssen die Landwirte zusätzlich zu den bestehenden nun neue Abstandsauflagen an Gräben einhalten, wenn sie ihre Felder düngen.

So soll verhindert werden, dass auch bei Starkregen Düngemittel in die Gräben und so in die Flüsse – oder den Seeburger See fließen und diesen mit unerwünschten Nährstoffen überfrachten. Dann droht die gefürchtete Eutrophierung. Betroffen sind dabei alle im Gelände vorhandenen Gräben, auch jene, die kein Wasser führen.

Einzuhaltende Abstände variieren sehr stark

Nun lässt sich die Breite eines Streifens zwar rasch messen – doch der Teufel steckt im Detail, denn die Breite des einzuhaltenden Mindestabstands hängt von der Hangneigung des Ackers ab: Je stärker der Acker geneigt ist, desto stärker ist die Gefahr der Abschwemmung und desto breiter – zwischen einem und zehn Meter – der notwendige Schutzstreifen am Graben.

Doch: Das Gefälle lässt sich eben nicht so einfach bestimmen, da ein Acker an verschiedenen Stellen meist auch unterschiedlich stark geneigt ist.

Das Problem: Werden bei einer Kontrolle Verstöße aufgedeckt, dann kann es für den Landwirt empfindlich teuer werden. Als Strafe gegen das Düngeverbot am Randstreifen drohen drei Prozent, im Wiederholungsfall sechs Prozent der jährlichen Agrarförderung, die der Landwirt bekommt.

Weil Südniedersachsen eine typische Mittelgebirgslandschaft mit entsprechendem Gefälle sei, seien über die Hälfte der Ackerfläche im Landkreis betroffen.

„Wir Landwirte fühlen uns im Stich gelassen“, sagt Markus Gerhardy, Kreislandwirt und Vorsitzender des Göttinger Bauernverbandes.

Der Gewässerschutz sei wichtig und die Landwirte wollten gerne ihren Teil zur Umsetzung beitragen – es müsse jedoch verbindliche und klare Regeln geben, sagt er un zielt damit in Richtung des Landwirtschaftsministeriums in Hannover, das die Regeln verbindlich klarstellen und die Unsicherheiten beseitigen sollte.

„Wir brauchen einen sicheren Rechtsrahmen. Und der fürs Land beschlossene Niedersächsische Weg bietet dafür ideale Voraussetzungen, dass Landwirte entsprechende Abstandstreifen anlegen und dafür einen finanziellen Ausgleich erhalten.“ (Christian Mühlhausen)

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