Ein Ortsbesuch

Ortsbesuch: Tiefbauarbeiten in der Innenstadt sind fast beendet

Baustelle
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Engpass Baustelle Weender: In den vergangenen Wochen verlangten die Bauarbeiter den Passanten viel ab – auch den Slalomlauf vorbei an Absperrungen.

Göttingen. Irgendwie kann sich Thomas Herold gar nicht vorstellen, dass „seine“ Baustelle Innenstadt nicht mehr ist. Aber das Ende ist nah – und das wiederum wird viele Göttinger freuen.

Der Schachtmeister des Bauunternehmens Küllmer (Wehretal) muss sich damit anfreunden, bald wieder ohne Publikum und abseits der Einkaufsmeile Weender Straße, auf dem Dorf arbeiten zu dürfen. Denn mit seinem Bereich, dem Kanalbau, ist bald Schluss in der Weender, die letzten Arbeiten laufen am Kornmarkt.

„Es ist fast mein Zuhause, sagt Herold, der seit mehr als sieben Jahren, fast nur noch in Göttingen gearbeitet hat und hier „fast mehr Leute kennt als in der Heimatstadt Eschwege. Bauleiter Aldo Listemann hat ihn in die Uni-Stadt beordert. Und die beiden sind mittlerweile echte Gö-Experten, kennen die Stadt über und vor allem unter der Erde.

Hintergrund

Im November, rechtzeitig zum Beginn des Weihnachtsmarktes, sollen die Bauarbeiten in der Göttinger Innenstadt Weender Straße beendet sein. Start für die Großbaustelle und Tiefbauarbeiten war Anfang Mai 2012. Vom 23. November bis zum 18. Februar waren die Arbeiten unterbrochen. Die Umgestaltung der wird insgesamt neun Millionen Euro kosten. Viel Geld geht dabei in den Untergrund, wo die Kanalleitungen, aber auch sämtliche Versorgungsleitungen für Gas-, Wasser und Strom erneuert werden.

Bis zum November werden etwa 60 000 Tonnen Erdaushob bewegt worden sein. Für die Arbeiten wurde sogar ein selbstständiger Sicherheits und - Gesundheitsschutzkoordinator verpflichtet. Harald Creco schaut, ob die Baustellen gut abgesichert sich, keine Gerfahr für Passanten und Arbeiter besteht. Credo klopft auf Holz: Es ist nichts passiert.

Das gesamte Projekt in der Innenstadt, einschließlich Straßenbau und Erneuerung der Ver- und Entsorgungsleitungen, wird 4,6 Millionen Euro kosten, davon entfallen 3,4 Millionen Euro auf das Herzstück Weender Straße. Zwei Millionen Euro sollen auf die Anlieger umgelegt werden. Von den verbleibenden 1,4 Millionen Euro sind 1,1 Millionen Euro förderfähig – 550.000 Euro sollen so aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung fließen. Die Restsumme von 850.000 Euro muss die Stadt Göttingen aufbringen. (tko)

„Vieles auf der Baustelle passiert morgens, bevor die Massen in die Stadt kommen. Was wir bis 10 Uhr nicht geschafft haben, holen wir nicht mehr auf.“

Was sie bei den Bauarbeiten in der Innenstadt erlebt haben, ist weit mehr als Routine. Die Baustelle ist ein Abenteuer: Hausanschlüsse, die zum Teil 1893 gelegt worden waren, dicke Kellerwände, Leitungen im Untergrund, von denen keiner mehr wusste, ob sie noch in Funktion sind.

Und dann ist das die enorme Aufgabe, die Baustelle zu koordinieren. Denn gebaut wird bei vollem Betrieb, die Geschäfte müssen schließlich erreichbar sein, für Kunden und Zulieferer.

Eng ist es am Kornmarkt. Die Passanten quälen sich täglich über neue Routen und Holperstrecken. Im Begegnungsverkehr ist für einen Fußgänger und eine Frau mit Kinderkarre kein Platz. Mann muss warten, Rücksicht nehmen, – und er tut es.

„Die Leute sind sehr geduldig“, sagt Thomas Herold. Beschimpfungen der Bauarbeiter gibt es nicht. Eher mal einen Kaffee, der gereicht wird – auch aus den Cafe´s die unter dem Lärm und Dreck leiden müssen. Der Göttinger nimmt das Schicksal Baustelle gelassen hin. „Das ist so!“, sagt Aldo Listemann wertschätzend.

Sogar an Tagen wie diesen, als in dem Bereich vom Gänseliesel bis Kornmarkt/Groner Straße auf 50 Meter vier Bagger und Radlader rangieren, zwei Lastwagen stehen – und nur zwei schmale Wege für Fußgänger bereitstehen. „Aber es funktioniert.“

Ein Rezept dafür haben die beiden Küllmer-Leute: „Das wichtigste auf dieser Baustelle ist das Reden“, sagt Listemann. Herold nickt. Und ansprechbar sind sie immer, dann alles wird ruhig diskutiert. „Mann muss Zuhören können“, ergänzt Herold. In die Bürgersprechstunden dienstags im Bullerjahn kommt niemand. „Einer war bisher da“, meint Herold, und sieht so seine Arbeit bestätigt.

Baustelle in der Göttinger Innenstadt

Baustelle in der Göttinger Innenstadt
Baustelle in der Göttinger Innenstadt
Baustelle in der Göttinger Innenstadt
Baustelle in der Göttinger Innenstadt
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Baustelle in der Göttinger Innenstadt
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Baustelle in der Göttinger Innenstadt
Baustelle in der Göttinger Innenstadt
Baustelle in der Göttinger Innenstadt

Heute muss viel geredet werden – mit Fachleuten von der Stadt, Eon, den Stadtwerken, denn am Abend muss alles so weit zu sein, das in aufgerissenen Löchern zeitgleich in der Nacht alle Leitungen geschaltet werden können.

Von Thomas Kopietz

Stadt ein Irrgarten - Bauarbeiter hilfsbereit – Kaum Laufkundschaft

Göttingen. Der Schreibtisch bebt, überall ist eine feine Schicht Staub: Die Bauarbeiten in der Göttinger Innenstadt machen auch den anliegenden Geschäften zu schaffen. Als „kostenlose Massage“ sehen die Mitarbeiter von Reiseland die Arbeiten mit dem Presslufthammer: „Wenn mit dem gearbeitet wird, werden wir hier auch durchgerüttelt“.

Nicht nur das sei nervig: Neben der Lärmbelästigung bleibe die Laufkundschaft aus. Schuld daran ist laut Sabine Schilling von der Confiserie arko der momentane „Irrgarten“ in der Innenstadt: Die Zugänge zu den einzelnen Geschäften seien nur schwierig zu erreichen. Dennoch bleibt Schilling gelassen: „Da müssen wir jetzt einmal durch.“ Zudem sehe das neue Pflaster gut aus, auch wenn es teilweise schon sehr beschmutzt sei.

Richtig schön findet Susanne Heller vom gleichnamigen Bettenhaus den neuen Belag. „Die Steine sind schön großzügig.“ Doch auch, wenn die Arbeiten gemacht werden müssen: Die seien geschäftsschädigend, da die Laufkundschaft auch hier fehle.

Von diesem Problem ist Dirk Siemsen, Geschäftsführer vom Augenoptiker Mahrt u. Hoerning am Kornmarkt, nicht betroffen: „Die Leute kommen ja eher mit einem Anliegen zu uns.“ Staubig sei es bei ihm dennoch, die Bauarbeiter seien aber kooperativ: „Die versuchen schon, die Belastungen minimal zu halten und helfen, wo es nur geht.“ (cow)

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