Literaturherbst: Ausstellung über Nobelpreisträger Böll

Das Leben des Heinrich Böll im Göttinger Günter-Grass-Archiv

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Blick zurück auf einen großen Literaten: Stephan Lohr (vorne) und Johannes Peter Herberhold vom Literaturherbst-Team haben die Ausstellung zusammen mit den Böll-Nachfahren erstellt. Verleger Gerhard Steidl stellt sein Günter-Grass-Archiv für die Heinrich-Böll-Ausstellung zur Verfügung. Gerhard Steidl hat auch die Plakate gedruckt.

Göttingen. Der Literaturherbst ist mehr als eine Reihe von Lesungen: Ab Samstag lädt eine Heinrich-Böll-Ausstellung im Grass-Archiv des Steidl-Verlags zum Besuch ein.

„Es war schnell klar, dass Heinrich Böll eine Rolle beim Literaturherbst 2017 spielen würde, es ist schließlich sein 100. Geburtsjahr“, sagt Programmberater Stephan Lohr.

Was für den ehemaligen NDR-Kulturjournalisten aus Hannover eine klare Sache war, musste im Kopf von Literaturherbst-Geschäftsführer Johannes Peter Herberhold erst wachsen: eine Ausstellung über Heinrich Böll.

Als Herberhold in dieser Woche die 30 Plakate und Text-Foto-Collagen eigenhändig hängte, wurde ihm klar: „Das ist eine wichtige Sache“. Für ihn wurden Jugenderinnerungen wach, an eine bewegte politische Zeit in den 70er- und 80er-Jahren. „An eine andere Zeit, ein anderes Deutschland als das vermuffte Adenauer-Kiesinger-Deutschland“, wie Stephan Lohr sagt. Aber auch eine Zeit, in der Heinrich Böll als Hetzer bezeichnet wurde.

Zu verdanken ist die Ausstellung im schönen alt-modernen Ambiente des Grass-Archivs samt Anbau vor allem dem Böll-Sohn Rene’ dem Sprecher der Erbengemeinschaft und dessen Vetter Viktor. Sie haben die Ausstellung konzipiert. Gerhard Steidl hat sie gedruckt, in gewohnt feiner Qualität und Komposition.

Viktor Böll leitete bis 2002 das Kölner Böll-Archiv. 1995 entstand die Ausstellung, für die Gerhard Steidl gerne sein Lieblingshaus geöffnet hat.

Und dort kommen nun zwei große der deutschen Nachkriegsliteraten posthum zusammen, die sich auch zu Lebzeiten zwar nicht immer einig, letztlich aber nicht fern waren: Günter Grass und Heinrich Böll.

Der ist sogar in O-Tönen zu hören, in Ausschnitten von Reden aus den 50er- und 60erJahren – verbunden mit einem hohen Wiedererkennungswert von Stimme, Betonung und Kölschem Akzent.

Die Ausstellung wird bis zum 4. November zu sehen sein. Und sie spricht viele Menschen, gleich ob aus der 68-er Generation oder dem Abi-Jahrgang 2018 an. In konzentrierter Form wird das Leben und Wirken Bölls gezeigt. Eine eindrucksvolle Installation mit schwarzen Stühlen und Tischen und darauf liegenden Büchern der Böll-Werksausgabe, die zum Blättern einlädt, ergänzt die Ausstellung.

Der Eintritt ist kostenlos. Die Ausstellung ist täglich geöffnet. Für Schulen übrigens gibt es auch Extra-Termine und -Führungen. Anmeldung unter: 0551/50766972.

Für Stephan Lohr jedenfalls ist der Besuch fast eine Pflicht: „Wer Deutschland nach dem Krieg verstehen will, muss Böll lesen, leider scheren sich immer weniger um Heinrich Böll.“

Für Johannes Peter Herberhold ist dank der Böll-Ausstellung im Grass-Archiv der Literaturherbst wieder reicher geworden. „Genau das wollen wir.“

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