Spektakuläre Ausstellung in Braunschweig

Das Leben und Sterben der Zwergsaurier aus dem Harz

Furchterregend: Der Kopf des Dinosauriers Allosaurus ist Teil der Ausstellung „Jurassic Harz – Dinosaurier von Oker bis Wyoming“ in den Ausstellungshallen im Naturhistorisches Museum in Braunschweig. Foto: dpa

Göttingen. Die Ausstellung „Jurassic Harz“ im Naturhistorischen Museum Braunschweig zeigt, wie sich eine Saurier-Art auf einer Insel entwickeln konnte und wie sie ausgerottet wurde.

Die riesige Fährte es Raubsauriers Allosaurus könnte für die Geschichte vom Untergang eines prähistorischen Paradieses stehen. Wo sich heute der Harz erhebt, befand sich in der Jurazeit eine Insel, abgeschirmt von einem Binnenmeer. Dort lebte der Europasaurus, dessen Überreste Ende der 1990er-Jahre in einem Steinbruch bei Goslar gefunden wurden und die Fachwelt in Aufregung versetzten.

Jetzt widmet das Naturhistorische Museum in Braunschweig mit „Jurassic Harz“ dem Langhalsdinosaurier, einem Zwerg unter Riesen, eine Ausstellung. In der Ausstellung können die Besucher viele Überreste von kleinen und großen Europasauriern bewundern. Neben den Inselbewohnern und ihren im Harz geborgenen Fossilien zeigt die Schau auch Funde aus Nordamerika. „Der Atlantik existierte in der Jurazeit noch nicht“, sagt Joger. Die Fauna in Nordamerika ähnelte derjenigen auf der „Insel Harz“. Ein einziger nur etwa zwei Zentimeter großer Zahn beweist die räumliche Verbundenheit des damaligen Lebensraums. Es ist der Zahn eines Stegosaurus, dessen in einer Grabung in Wyoming entdecktes Skelett ebenfalls in der Schau zu sehen ist. Der Pflanzenfresser bewohnte offenbar mit den Zwergsauriern die beschauliche Insel, bis sich die Bedingungen radikal veränderten.

Szenerie: Der Dinosaurier „Allosaurus“ in der Ausstellung „Jurassic Harz. Dinosaurier von Oker bis Wyoming“ in den Ausstellungshallen im Naturhistorisches Museum in Braunschweig. Foto: dpa

„Überreste des Europasaurus wurden bis heute nur im Harz gefunden“, sagt der Museumsdirektor Ulrich Joger. Deshalb glauben die Wissenschaftler, dass sich der Zwerg-Saurier unter den besonderen Bedingungen einer Insel anders entwickelte als die Tiere auf dem Festland. „Angesichts der begrenzten Nahrungsressourcen hatten kleinere Tiere vermutlich bessere Überlebenschancen“, erklärt der Paläontologe Ralf Kosma.

Acht Meter lang wurde der ausgewachsene Europasaurus – ziemlich klein für einen Saurier. Derartige Verzwergungen seien für die Wissenschaft hochinteressant, betont Kosma. Im Harz wurde auch das Skelett eines Zwergkrokodils gefunden.

Doch den Zwergen drohte ein brutales Ende: „Raubsaurier konnten vermutlich in Folge eines gesunkenen Meeresspiegels die bis dahin geschützte Insel erreichen“, sagt Joger. Die fossile Fußspur eines Allosaurus zeugt noch heute von der plötzlichen Anwesenheit des Räubers. Sein aufgebautes Skelett ist furchteinflößend – das Tier war ein imposanter Jäger. „Es gibt keine Funde vom Allosaurus und dem verzwergten Europasaurus, die aus derselben Zeit stammen“, berichtet Kosma. Die Vermutung liegt nahe: Der Raubsaurier hat das friedliche Leben der Europasaurier beendet. „Als er einmal da war, muss das nicht sehr lange gedauert haben.“ (lni/tko)

• Sonderausstellung „Jurassic Harz“, Naturhistorisches Museum Braunschweig, Hamburger Straße 267, bis 23. Juli, Dienstag bis Sonntag von 9 bis 17 Uhr, mittwochs 19 Uhr.

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