Digitales Zeitalter verändert Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek

Zentralbibliothek am Campus: Die Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen zählt mit mehr als sieben Millionen Medieneinheiten zu den größten Bibliotheken in Deutschland. Fotos: Schmidt-Hagemeyer

göttingen. Wer Bücher liebt, kann in der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, kurz SUB genannt, ins Schwärmen geraten. Millionen Werke stehen in den Regalen der Bibliothek, deren Grundstock bereits 1734 gelegt wurde.

Doch wie lange brauchen Studenten und Wissenschaftler das auf Papier fixierte Wissen noch? Bedeutet das Internetzeitalter das Ende der Lesetempel?

Der stellvertretende SUB-Direktor Dr. Rupert Schaab will dazu weder Ja noch Nein sagen. Fakt ist, um aktuelle Forschungsliteratur zu lesen, müssen Studenten immer seltener aufs Fahrrad steigen und zur Zentralbibliothek oder zu einer der sieben Bereichsbibliotheken fahren. Der Blick ins Internet genügt. Im vergangenen Jahr hat die SUB erstmals mehr Geld für digitale Publikationen als für Bücher aus Papier ausgegeben.

Trotzdem ist die Bibliothek so beliebt wie nie. 6500 Besucher kommen an Spitzentagen. „Vor sieben Jahren lag die Marke bei 3000“, erinnert sich Dr. Schaab. Grund sind nicht in erster Linie die Bücher. „Man sieht viele Leute in Prüfungsvorbereitungen. Sie können hier konzentriert arbeiten“, erklärt sich der stellvertretende SUB-Direktor die Entwicklung. Im Gegensatz zu Zuhause lenken weder Handy noch Fernseher ab.

Dr. Rupert Schaab

Während die Zentralbibliothek als Raum zum Arbeiten gefragt ist, wird der digitalen Schwester in Sachen Nutzung die Zukunft gehören – davon ist Dr. Schaab überzeugt. Wenn beide Medien zur Verfügung stehen, ist das digitale Angebot heute schon stärker gefragt als das Buch aus Papier. „Was bei uns im Magazin ruht, ist in Afrika nicht sichtbar“, macht Dr. Schaab den Vorteil der schnellen und weltweiten Verfügbarkeit deutlich.

Göttinger Digitalisierungszentrum: In einem abgedunkelten Raum arbeitet Anna-Lena-Zietan an einem Scanner. Unter der dicken Glasplatte liegt ein Buch, dessen Seiten detail- und farbkonstant eingelesen werden. Foto: Schmidt-Hagemeyer

Doch Nutzer digitaler Bibliotheken sparen nicht nur weite Wege. Das Nachschlagen in Büchern ist viel mühseliger. Mit digitaler Technik lässt sich dagegen noch während einer Konferenz der gerade diskutierte Aufsatz nachlesen. Texte können elektronisch ausgewertet und beliebig verlinkt werden. Diese Möglichkeiten haben zuerst die Naturwissenschaftler überzeugt, für die eine Veröffentlichung ihrer Aufsätze in renommierten Zeitschriften wichtig ist. Folge: Wissenschaftliche Zeitschriften auf Papier sind dort fast abgeschafft.

Neue Aufgaben

Um den Nutzern alle Möglichkeiten der digitalen Technik zu bieten, genügt es jedoch nicht, Texte zu scannen und ins Internet zu stellen. Dr. Schaab: „Der Inhalt muss mit Metadaten aufgearbeitet werden.“ So müssen Inhaltverzeichnisse und Datensätze, etwa zur Person des Autors, Ort und Zeit angelegt und verlinkt werden.

Eine weitere Aufgabe sei es, die Echtheit digitaler Publikationen sicher zustellen. Trotz verschiedener technischer Ansätze ist auch die Frage der Langzeitarchivierung noch nicht gelöst.

Die wissenschaftlichen Bibliotheken sind also im Umbruch. Der stellvertretende SUB-Direktor sieht den Wandel als Herausforderung: „Bibliotheken“, sagt er, „waren eigentlich immer nur ein Notbehelf“. Wissen, das nur gesammelt wurde, weil kein einzelner Privatmann diese Mengen an Büchern selbst vorhalten und organisieren kann.

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