Literarisches Zentrum wird auch zur Plattform für politische Themen

Wieder an Bord: Nach Baby-Pausen wieder als Duo im Literarischen Zentrum: Geschäftführerin Anja Johannsen (rechts) und Stellvertreterin Gesa Husemann. Foto: Kopietz

Göttingen. So politisch war das Programm des Literarischen Zentrums Göttingen selten: „In diesen Zeiten müssen auch wir etwas tun“, beschreibt Geschäftsführerin Dr. Anja Johannsen die Intention zum Frühjahr-/Sommer-Programm.

Das soll aber nicht mit dem erhobenen Zeigefinger geschehen. Und man will auch nicht in einer ohnehin aufgeschlossenen Besucherschaft die Selbstbestätigung forcieren, sondern „einen öffentlichen Platz als Diskussionsforum bieten“, wie Johannsen sagt. Folglich gibt es einen nie zuvor so erlebten Programmstart – mit einer Podiumdiskussion „Wir müssen reden. Populismus & Widerstand“.

Reden werden am Mittwoch, 1. März, dann spannende Menschen – auch aus Göttingen. Politikwissenschaftler Lars Geiges lotet als Forscher die Tiefen des Populismus aus. Robert Feustel hat mit anderen Autoren ein „Wörterbuch des besorgten Bürgers“ zusammengestellt – und erklärt die Sprache der (rechten) Populisten. Die Dramaturgin Felicitas Zürcher hat Populismus direkt erlebt, die Pegida-Demos vor dem Dresdner Staatsschauspielhaus, und die Göttingerin Sabine Hess ist beachtete Migrationsforscherin.

Politisch wird es auch, wenn die türkische Autorin Ece Temelkuran am 28. März ins Alte Rathaus kommt: Ihr Roman „Stumme Schwäne“ spielt im türkischen Bürgerkrieg 1980 und schildert die Auswirkungen der Zustände auf Kinder und Jugendliche. Lesung und Gespräch finden in deutscher, türkischer und englischer Sprache statt.

Syrien – ein Land, ein Wort, das für so vieles und vor allem Schreckliches steht: Krieg, Verfolgung, Tod, Flucht. Die junge Berliner Autorin Olga Grjasnowa aber schildert am 19. April auch das Leben in Syrien davor, in Sicherheit, Wohlstand und gewährt im Schein des Krieges verblassende Einblicke. Die Flucht spielt auch eine Rolle, natürlich.

Im Vorfeld der Kasseler documenta wirft das Literarische Zentrum mit „Freadom“ einen Blick auf verbotene Literatur und die Rolle der Zensur. Die Idee zum Thema der Veranstaltung am 8. Juni lieferten Göttinger Studierende.

Und was gibt es sonst – unpolitisches – im Literarischen Zentrum? Zum Beispiel „Die Fortsetzung der Reihen „Liederabend“, endlich sind die Beatles dran, und „Krimi“ mit dem spannenden Autor Volker Kutscher und dessen historischen Roman „Lunapark“.

Die Frühlingsbuchschau liefert das Zentrum am 10. April geballt: Göttinger Literaturexperten wie Eckart Kohl (Buchhandlung Calvör) und Friederike von Criegern stellen die Neuerscheinungen unter dem Titel „Leipziger Allerlei“ vor. Die Autorin „Zsiusa Bank“ wird zudem am 11. April wohl ein Top-Buch des Frühlings präsentieren: „Schlafen können wir später“ und liefert unweigerlich ein treffendes Motto für die dann wieder langen Tage.

• Karten und Programm, auch zu „Literatur macht Schule“: www.literarisches-zentrum-goettingen.de

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