Literatur fragt Wissenschaft und unterhält Zuschauer

Göttinger Literaturherbst: Uni-Reihe „Literatur fragt Wissenschaft“ hat begonnen: Von links Literaturwissenschaftler Raoul Schrott, Sonnensystemforscher Ulrich Christensen, Geochemiker Gerhard Wörner und Moderator Stephan Lohr. Foto: Gewert

Göttingen. Literaturwissenschaftler Raoul Schrott (50) ist auf den Spuren der Entstehung der Welt. Seine neuesten Erkenntnisse will er in einem literarischen Werk im Herbst 2016 veröffentlichen. Beim Göttinger Literaturherbst hat er mit dem Sonnensystemforscher Ulrich Christensen und Geochemiker Gerhard Wörner zum Auftakt der Uni-Reihe „Literatur fragt Wissenschaft“ gesprochen.

Das Trio bespricht wichtige Themen: „Was ist aus dem ganzen Staub geworden? Unser Planet“, sagt Christensen. Die Erde ist 4,54 Milliarden Jahre alt und aus Staub entstanden – die Schwester der Sonne ist über 110 Lichtjahre entfernt und Sterne entstehen nie einzeln, wie die Experten wissen. Die Dimension und Größenordnung des Universums scheint kaum vorstellbar.

Als Raoul Schrott plötzlich mit Zahlen und Berechnungen um sich wirft, wird es für Nichtmathematiker doch ein wenig schwer, ihm zu folgen. Doch meist verstehen es Schrott, Christensen und Wörner die manchmal schwierige Wissenschaft anschaulich zu machen.

Stephan Lohr moderiert die Podiumsdiskussion gekonnt, stellt die richtigen Fragen: Wie lassen sich Literatur und Wissenschaft vereinen? Raoul Schrott sagt: „Poesie ist der elementare Träger unseres Denkens“. Und: Sein Buch soll „kein Fachbuch werden, sondern ein Roman.“

Hinter der Forschungsarbeit steht ein existenzielles, privates Interesse, erläutert er. „Nie zuvor gab es so viel an Wissen über den Menschen und das Universum – doch je mehr Daten und Details angehäuft werden, desto weniger verstehen wir im Grunde. Wir wissen zwar, dass die alten Mythen nicht mehr stimmig sind – eine andere Geschichte, die uns und die Welt erklärt, gibt es jedoch nicht“.

Viele Reisen hat er daher gemacht, um die Welt zu entdecken. Finanziell möglich wurde Schrott dies durch die Kulturstiftung des Bundes, die sein Vorhaben unterstützt.

Schrott zeigt dem Publikum einen Stein. Zu wissen, „ich halte hier das älteste Gestein in den Händen...“, setzt er an. Sogleich erntet er ein Kopfschütteln des Experten Wörner. Der weiß, dass das älteste Gestein über vier Milliarden Jahre alt und der Felsbrocken in den Händen von Schrott nur über drei Milliarden Jahre alt ist.

So wird es in der Aula am Wilhelmsplatz ein Abend mit einem Geflecht aus Information und Unterhaltung: Infotainment heißt das heute.

Schrotts Geschichte wird sich zusammensetzen aus Mythen, dem Diskurs der Naturwissenschaften bis hin zum Dialog und Monolog mit Wissenschaftlern sowie einem Logbuch seiner Reisebeschreibungen.

Allzu viele Einzelheiten will Schrott aber noch nicht verraten. Moderator Lohr ist da mutiger: Er legt fest: „Wenn das Buch erscheint, stellt Raoul Schrott es beim Göttinger Literaturherbst in der Lokhalle vor.“ Was daraus wird, wird sich zeigen.

Von Marie-Therese Gewert

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.