Literaturherbst-Nachhollesung

Harald Lesch und ein Plädoyer für die Rettung des Planeten Erde

Aufgeräumt und schlagfertig: Harald Lesch konnte sich im Historischen Rathaus Duderstadt der Zustimmung des Publikums gewiss sein. Foto: Hans-Peter Niesen

Duderstadt: Nachklapp zum Literaturherbst: Der beim Festival erkrankte Wissenschaftsjournalist holte nun die abgesagte Lesung nach - und viele Interessierte kamen.

Volles Haus bei Astrophysiker Harald Lesch im historischen Rathaus in Duderstadt: Über 150 Neugierige wollten von dem bekannten Physik-Professor aus München wissen, wie er über die Zukunft unseres Planeten denkt. Passagen aus seinem neuesten Buch „Wenn nicht jetzt, wann dann – Handeln für eine Welt, in der wir leben wollen“, dass er zusammen mit seinem Co-Autoren Klaus Kamphausen verfasst hat, bildete die Grundlage dafür.

Die Veranstaltung gehört zum Göttinger Literaturherbst, wurde aber zum Literaturadvent, weil der Wissenschaftsjournalist im Oktober, als er eigentlich auftreten sollte, erkrankt war. Doch davon spürten die Besucher an diesem Abend nichts mehr. Aufgeräumt, plastisch, schlagfertig, zugespitzt und mit einer Sprechgeschwindigkeit sondergleichen brachte der 58-jährige Wissenschaftler die Thesen seines Buchs und noch vieles mehr unter die Zuhörer.

„An jeder Ecke scheint es zu brennen: Die Menschen haben einen dramatischen Klimawandel in Gang gesetzt. Rücksichtslos werden Mensch und Natur ausgebeutet. Das Leben ist bis zum Zerreißen durchökonomisiert, die Gesellschaft gespalten. Was können wir, was kann jeder Einzelne tun?“, heißt es in der Ankündigung des Buches.

Da klopft sich Lesch angesichts der Leugner des Klimawandels an die eigene Wissenschaftler-Brust. Die Forscher sollten mit ihren Ergebnissen mehr die Öffentlichkeit suchen, „dorthin gehen, wo es wehtut“, um aufzuklären. „Wir zerstören den Spielraum für unsere Kinder und Kindeskinder. Wir zwingen sie, die Renditen von heute zu bezahlen“, sagt er mit Blick auf den Ressourcenverbrauch der Menschheit.

„Wir sind Gäste des Lebens, und gute Gäste hinterlassen den Raum sauberer als sie ihn vorgefunden haben“, sagt Lesch und erinnert daran, dass „Natur die Bedingung ist, um überhaupt Mensch zu sein“.

Der Zustimmung des Publikums ist er gewiss und macht ihm deshalb auch gleich ein Kompliment: „Das Schöne heute Abend ist, ich muss manche Sätze nur andenken und Sie denken weiter.“

Offenbar auch mit sofortiger Wirkung. Denn als er erzählt, dass sein neues Buch auf höchstem ökologischen Niveau gedruckt ist, und deshalb auch nicht in Plastik eingeschweißt ist – „Das Buch können Sie nach dem Lesen essen“ – , wird das für ihn vorbereitete Gastgeschenk noch schnell von der Plastikverpackung befreit, bevor es ihm in die Hände gedrückt wird.

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