Jacques Miltgen repariert an seinem Auto aus DDR-Produktion alles selbst

Luxemburger liebt den Trabi

Ist ein echter Trabant-Fan: Jaques Miltgen fährt einen Wagen der letzten Generation. Der Student hat das Auto auf die Optik des Modells 601 gebracht. Foto: Schlegel

Göttingen. Vor einem Vierteljahrhundert war er in Südniedersachsen allgegenwärtig. Heute ist der Trabant eher selten anzutreffen. Einer, der ihn regelmäßig benutzt, ist Student Jacques Miltgen aus Luxemburg.

Er studiert in Göttingen Ökosystemmanagement am Fachbereich Geowissenschaften der Uni Göttingen. Sein blauer Wagen aus DDR-Produktion fällt neben den anderen Autos auf den Parkplätzen in der Stadt auf. Der 23-jährige macht praktisch alles an dem Wagen selber. „Reparieren ist überhaupt kein Problem. Der Wagen hat nicht soviel Elektronik wie die modernen Wagen“, sagt der Göttinger. Ein Beispiel: Vor einigen Tagen war die Kupplung kaputt. Der begeisterte Schrauber legte selbst Hand an seinem Trabi an und nach einem halben Tag war der Schaden behoben. „Für solche Arbeiten braucht man noch nicht mal eine Hebebühne, weil alles so klein und leicht ist.“

Der Student, der seit zweieinhalb Jahren in Südniedersachsen lebt, hat die Erfahrung gemacht, dass viele über seinen Wagen schmunzeln. Aber das stört ihn nicht. „Ich zeige den Leuten gern, dass so ein alter Wagen benutzerfreundlicher als die heutigen Autos ist.“ Oft sieht er auf der Autobahn Autos, die eine Panne haben, und Besitzer, die nicht wissen, was an ihren Auto kaputt ist.

„Ich habe auch schon öfter angehalten und wollte spontan helfen. Das ging aber meistens nicht, weil ohne Diagnosegerät heute keine direkte Hilfe mehr möglich ist. Die Autos sind rollende Computer geworden“, sagt der Göttinger Student.

Ersatzteillager

Inzwischen hat er bereits fünf Trabis gekauft, drei davon stehen in Luxemburg und dienen als Ersatzteillager. Den vierten fährt er selbst und den fünften hat der Student an seinen besten Kumpel verkauft. Der macht mit seiner Rennpappe ganz Luxemburg unsicher. Dort fallen Trabis besonders auf. Nur ein gutes Dutzend der Fahrzeuge sind in dem Großherzogtum zugelassen. Zum Trabant kam der Naturliebhaber eher zufällig. Schon als Kind hat er an Rasenmähern herumgeschraubt. Mit 15 packte ihn die Lust, an Autos Hand anzulegen. Für ganze 60 Euro kaufte er den ersten Trabant bei Ebay. „Alle anderen Autos waren mir einfach zu teuer.“

Mit 18 durfte Miltgen dann endlich selbst auf der Straße mit dem Wagen fahren. Zuvor gab es Übungsfahrten im heimischen Garten. Im Gegensatz zu Deutschland müssen Autos in Luxemburg jedes Jahr zum TÜV. „Vorher mache ich immer eine Reparatur-Session mit meinem Kumpel. Und beim TÜV selbst sind wir immer gern gesehen, weil so ein Trabi mal eine Abwechslung ist.“

Derzeit fährt er einen Trabant der letzten Generation, der schon einen Viertakt-Motor hat, der mit einer Lizenz von VW in der DDR gebaut wurde. Allerdings haben ihm an dem Modell die Frontpartie und die Rücklichter nicht gefallen. Deshalb hat er das Auto auf die Optik des Modells 601 gebracht.

Jacques Miltgen will noch möglichst lange Trabant fahren und er hat auch schon Pläne. Er will einen Katalysator nachrüsten und den Wagen für den Autogasbetrieb umrüsten.

Hintergrund: Über drei Millionen Trabant liefen vom Band

Trabant heißt die ab 1958 in der DDR in Serie gefertigte Auto-Baureihe der Hersteller „VEB Automobilwerk Zwickau“ und „VEB Sachsenring Automobilwerke Zwickau“. Zwischen November 1957 (Nullserie) und April 1991 wurden in Zwickau über drei Millionen Fahrzeuge der Trabant-Baureihe produziert. Zu Beginn des Jahres 2013 waren in Deutschland noch 32 485 Fahrzeuge registriert.

Der Trabant zählte bei seiner Premiere zu den ersten vollwertigen Kleinwagen-Baumustern, das neben Frontantrieb Platz für vier Erwachsene und Gepäck bot. Das Fahrzeug galt als sparsam, erschwinglich und robust. Aufgrund seiner äußerst geringen Schadenshäufigkeit gehört der Trabant heute zu den Autos mit den niedrigsten Versicherungsprämien. (bsc) Quelle: Wikipedia

Von Bernd Schlegel

Eine Fotostrecke mit Bildern von Jaques Miltgen und seinem Trabi finden Sie hier:

Luxemburger Liebt seinen Trabi

Jaques Miltgen fährt einen Wagen der letzten Generation. Der Student hat das Auto auf die Optik des Modells 601 gebracht. Foto: Schlegel © HNA/Schlegel
Jaques Miltgen fährt einen Wagen der letzten Generation. Der Student hat das Auto auf die Optik des Modells 601 gebracht. Foto: Schlegel © HNA/Schlegel
Jaques Miltgen fährt einen Wagen der letzten Generation. Der Student hat das Auto auf die Optik des Modells 601 gebracht. Foto: Schlegel © HNA/Schlegel
Jaques Miltgen fährt einen Wagen der letzten Generation. Der Student hat das Auto auf die Optik des Modells 601 gebracht. Foto: Schlegel © HNA/Schlegel
Jaques Miltgen fährt einen Wagen der letzten Generation. Der Student hat das Auto auf die Optik des Modells 601 gebracht. Foto: Schlegel © HNA/Schlegel
Jaques Miltgen fährt einen Wagen der letzten Generation. Der Student hat das Auto auf die Optik des Modells 601 gebracht. Foto: Schlegel © HNA/Schlegel
Jaques Miltgen fährt einen Wagen der letzten Generation. Der Student hat das Auto auf die Optik des Modells 601 gebracht. Foto: Schlegel © HNA/Schlegel
Jaques Miltgen fährt einen Wagen der letzten Generation. Der Student hat das Auto auf die Optik des Modells 601 gebracht. Foto: Schlegel © HNA/Schlegel

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