Männliche Erzieher in Kindertagesstätten sind rar

Sie werden Erzieher: (von links) Tanja Weiß, Fabian Korte, Lisa Riebensahm und Ewald Buß möchten in ihrem Beruf viel bewirken. Foto: Gewert

Göttingen. Männer als Erzieher in Kindertagesstätten sind Mangelware. Und nur wenige erlernen den Beruf. Eine Ausstellung im Neuen Rathaus sollte auf den Beruf und die, die ihn ausüben aufmerksam machen.

„Die Gesichter hinter den Zahlen“: 13 Erzieher im Porträt zeigten auf, warum sie sich für den Beruf entschieden haben. Im Abschlussjahrgang der Fachschule Sozialpädagogik der BBS Ritterplan machten mehr als 40 Frauen ihren Abschluss als Erzieherin. Dagegen sind es gerade einmal acht Männer. Fabian Korte (33) ist einer von ihnen.

Er hat sich für den Beruf entschieden, weil es wenig männliche Erzieher gibt und er es für wichtig hält, dass die Kinder auch mit Männern lernen. „Männliche Erzieher können das gesellschaftliche Gleichgewicht herstellen“, sagt er.

Auch Ewald Buß (43) hat sich für die Ausbildung entschieden. Er möchte später in einer Krippe oder Kita arbeiten. „Kinder gehen anders auf den Menschen zu und sind noch nicht so geprägt“, sagt er.

Mit ihrer Arbeit wollen alle Absolventen einen wichtigen Grundstein für die Zukunft legen. Die Wahrnehmung in der Gesellschaft gegenüber Erziehern müsse sich ändern. Kinder freuen sich, wenn ein Mann dabei ist. „Der Beruf macht glücklich. Man bekommt jeden Tag etwas zurück“, sagt auch Tanja Weiß, eine der Absolventinnen.

Ebenso wie Lisa Riebensahm (25): „Ich bin Mutter einer Tochter und war mit vielen Einrichtungen und dem Ton untereinander unzufrieden, auch wenn es gute Kitas gibt“, sagt sie.

So möchten die angehenden Erzieher etwas bewirken und verändern. Gemeinsam wollen sie das gesellschaftliche Rollenbild aufspalten und die Arbeit transparenter machen. Sie interessiert aber auch die Kehrseite: „Was würde dagegen sprechen, wenn ein Mann Erzieher wird?“

Auch Männer können empathisch auf Kinder zugehen und müssen nicht immer der Ernährer der Familie werden. Daher ermutigen sie Männer, den Beruf zu ergreifen und keine Scheu davor zu haben, Kinder zu erziehen.

Warum Männer als Erzieher wichtig sind, erläutert auch Britte Thür vom Frauenbüro: „Erzieher sind wichtig, damit die Kleinsten eine breite Auswahl von Vorbildern haben. Es bringt nichts, wenn sie nur das Rollenbild erfüllen. Wahlmöglichkeiten sind wichtig für die Persönlichkeit.“

Zur Fachtagung in Göttingen referierten Dr. Claudia Wallner und Michael Dorgand-Strud. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Stadt, dem Frauenbüro und dem Fachbereich Jugend Verein Niedersächsischer Bildungsinitiativen.

Von Marie-Therese Gewert

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