Zug durch die Innenstadt und Kundgebung auf dem Marktplatz in Göttingen

Mai-Bier und Forderungen der Gewerkschaftler am Tag der Arbeit

Tradition: Mai-Kundgebung der Gewerkschaften in Göttingen auf dem Marktplatz vor dem Alten Rathaus. Die Hauptrede hielt DGB-Südniedersachsen-Chef Manfred Zaffke. Foto: Kopietz
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Tradition: Mai-Kundgebung der Gewerkschaften in Göttingen auf dem Marktplatz vor dem Alten Rathaus. Die Hauptrede hielt DGB-Südniedersachsen-Chef Manfred Zaffke. Foto: Kopietz

Göttingen. Etwa 500 Menschen haben in Göttingen an der Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zum Tag der Arbeit und an der zentralen Mai-Kundgebung auf dem Marktplatz vor dem Alten Rathaus teilgenommen.

Zuvor hatten sich Gewerkschaftler, Anhänger von Parteien und politischen Gruppen sowie Vertreter aus Unternehmen, wie der Universitätsmedizin Göttingen, am Platz der Synagoge und dem leerstehenden ehemaligen DGB-Haus getroffen und waren dann durch die Innenstadt vor das Alte Rathaus gezogen.

Dort warteten bereits viele Menschen auf die Demonstranten. Parteien und Gruppen hatten dort Stände aufgebaut, eine Bühne stand direkt vor dem Gänselieselbrunnen.

Um 11.30 Uhr startet dort DGB-Kreisvorsitzender Lothar Hanisch die Veranstaltung unter dem Motto „Gute Arbeit, soziales Europa“ und mahnte gerechte Löhne für alle an. Der Mindestlohn sei ein unverzichtbares Mittel auf dem Weg zur gerechten Bezahlung und helfe vielen Menschen. Es dürfe aber keine Ausnahmen geben. Hanisch forderte zudem eine verbindliche Regelung für die Lebensarbeitszeit.

Hauptredner war Manfred Zaffke, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Süd-Niedersachsen. Zaffke machte sich auch stark für die Europawahl und kritisierte, dass Europa vielen zu gleichgültig sei. Die Wahlbeteiligung bei der vergangenen Wahl habe das gezeigt. „Nicht einmal die Hälfte der Wahlberechtigen sind in Deutschland zur Wahl gegangen.“ Ein peinlicher Wert, wie Zaffke sagte und nüchtern feststellte: „Europa hat einen hohen Wert, wir sollten ihn nicht leichtfertig opfern.“ Zumal im Europaparlament, das immer mehr an Bedeutung zunehme, wichtig Entscheidungen für jeden Menschen, auch für Arbeitnehmer getroffen würden.

Nicht alle der 500 Zuschauer aber hörten den Rednern zu. Sie nutzten das Ambiente dazu, Gespräche mit Freunden und Bekannten – oder Politikern wie dem niedersächsischen Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) sowie den Oberbürgermeisterkandidaten zu führen, die die Kundgebung auch als Präsentationsfläche in eigener Sache nutzten. Das taten auch Parteien, Gewerkschaften und politische Gruppen, die Info-Stände aufgebaut hatten.

Mancher Besucher aber genoss einfach nur einen Kaffee, ein Mai-Bier oder eine Bio-Bratwurst am freien Tag, dem Tag der Arbeit. Auch für diesen Genuss bereiteten die Gewerkschaften den Boden.

Hintergrund: 1. Mai - internationaler Tag der Arbeit

Die Geschichte des Tags der Arbeit, der am 1. Mai gesetzlicher Feiertag in Deutschland und vielen anderen Ländern ist, reicht 130 Jahre zurück und fußt auf einen Generalstreik von 400.000 Beschäftigten in den USA, die am 1. Mai 1886 den Acht-Stunden-Arbeitstag forderten. Es gab tagelange Aktionen, die eskalierten – Menschen starben nach Schüssen aus Waffen von Polizisten. Auch Beamte wurden getötet.

In Deutschland beschloss 1919 die Nationalversammlung, dass der 1. Mai zum Feiertag wurde. Die Nationalsozialisten propagierten den 1. Mai als „Feiertag der Nationalen Arbeit“, nutzten ihn für Aktionen und Aufmärsche. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Tradition der gewerkschaftlichen Mai-Kundgebungen bereits 1945 wieder aufgenommen. (tko)

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