Mai-Kundgebung in Göttingen: Appell für mehr Gemeinschaftssinn

Kritik, auch an lokalen Missständen: Bei der DGB -Maikundgebung am Sonntagmittag vor dem Alten Rathaus in Göttingen: Mehrere hundert Menschen kamen, hörten Reden zum Thema „Zeit für mehr Solidarität“

Göttingen. Weniger Arbeitslose, der Export boomt. Den Menschen in Deutschland geht es gut. Allen Menschen in Deutschland? Nein, sagen die Redner bei der Maikundgebung des DGB-Kreisverbandes am Sonntagmittag vor dem Alten Rathaus.

Unsichere Renten, drohende Altersarmut, vor allem für Menschen, die in prekären Arbeitsverhältnissen angestellt sind, sind eine Bedrohung für viele Menschen, sagt Lothar Hanisch. „Altersarmut darf kein Massenphänomen sein – wir brauchen eine Lösung für alle“, ruft der DGB-Regionsgeschäftsführer den etwa 300 Besuchern vor dem Alten Rathaus zu. Hanisch lobt den Mindestlohn. „Er ist eine Erfolgsgeschichte, den viele nicht wollten.“ Manchmal gibt es kurz Applaus. Meist registrieren die Zuhörer das Gesagte lautlos, manchmal mit einem Kopfnicken – oft unterhält man sich nebenbei untereinander, dazu den Getränkebecher in der Hand, oder Bratwurst im Brötchen. International ist das Motto der diesjährigen Mai-Kundgebungen: „Zeit für mehr Solidarität“, „Time for greater Solidarity“.

Mehr Solidarität untereinander, mehr Solidarität gegenüber Geflüchteten. Der Hauptredner des Tages, Dr. Dirk Hierschel, legt kräftig los: „Der EU gehört der Friedensnobelpreis entzogen, wegen unterlassener Hilfeleistung.“ Die EU hatte die Seenotrettung der Flüchtlinge auf dem Mittelmeer zurückgefahren. Hierschel fordert auf, das vorhandene Geld – „die Geldspeicher sind voll wie nie zuvor“ – einzusetzen. Auch die Konzerne müssten sozialer handeln. Und der Regierung in Berlin rief er zu „Schluss mit der Schwarzen Null im Bundeshaushalt.“

Die Mai-Kundgebung endet mit Musik der Band Micula und vielen Gesprächen. Miteinander reden vor allem viele Alt- und einige Jung-Gewerkschaftler und Sozialdemokraten. Neutrale, spontane und junge Gäste am Tag der Arbeit sind rar bei dieser Göttinger Kundgebung. Es mangelt an Solidarität – und am Draht zwischen Gewerkschaften und vielen Beschäftigten. (tko)

Von Thomas Kopietz

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