"March for Science"

Demonstration für die Freiheit der Wissenschaft in Göttinger Innenstadt

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Politiker und Wissenschaftler gemeinsam vorneweg beim March for Science 2018 in Göttingen: Dabei waren am Samstag auch Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (Dritter von rechts) und die Landtagsabgeordnete Gabriele Andretta (Mitte) sowie Stefan Treue, Direktor am Deutschen Primatenzentrum in Göttingen (zweiter von links).

Göttingen. 700 Menschen marschierten am Samstag beim "March for Science" durch die Innenstadt und demonstrierten für eine unabhängige Wissenschaft, die es nicht überall gibt.

Wenn es um die Wissenschaft geht, wird Göttingen oft in einem Atemzug mit Berlin und München genannt: So auch am Samstag, als in Göttingen – wie in München und Berlin – für die Freiheit der Wissenschaft demonstriert wurde – beim „March for Science“.

Mehr als 700 Teilnehmer zählten die Organisatoren am Samstag beim zweiten „March for Science“, bei dem in Göttingen überwiegend Akademiker und Studenten protestierten.

Wissenschaft müsse alle Teile der Gesellschaft angehen

„Ich bin mit Leidenschaft und Überzeugung dabei, wenn es darum geht, für die Wissenschaft Flagge zu zeigen“, betonte Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler beim „Warm Up“ am Gänseliesel. Wissenschaft müsse alle Teile der Gesellschaft angehen, brauche Förderung und politische Rückendeckung. „Es gilt dem Trend entgegenzutreten, dass wissenschaftliche Erkenntnisse immer häufiger umgedeutet oder politisch instrumentalisiert werden“, sagte Köhler, der „nicht in postfaktischen Zeiten“ leben möchte.

Nach dem Zug durch die Innenstadt zum Platz der Göttinger Sieben auf dem Uni-Campus bekamen die Organisatoren des „March for Science“, der zum zweiten Mal in Göttingen und 21 anderen deutschen Städten veranstaltet wurde, zunächst einmal Zuspruch von Prof. Ulf Diederichsen, dem Vize-Präsidenten der Uni Göttinger. 

In Deutschland vergleichsweise gute Situation für die Wissenschaft

Die Universität unterstütze „ausdrücklich die Initiative“, die im vergangenen Jahr erstmals ein deutliches Zeichen gesetzt habe. „Wissenschaftsfreiheit ist in einigen Ländern noch immer bedroht oder eingeschränkt“, betonte Diederichsen. Da systemkritische Forscher vielerorts Einreise- und Redeverbote oder Finanzierungskürzung hinnehmen müssten und ihre Forschungsergebnisse in Frage gestellt würden, müsse der March for Science auch als Zeichen der Solidarität mit diesen Kollegen verstanden werden.

Für Prof. Horst Hippler, den Präsidenten der Hochschulrektorenkonferenz, sei es „enorm wichtig“, die Sorge über die Zukunft der Wissenschaft in die Breite der Gesellschaft zu tragen. Auch wenn man sich in Deutschland in einer vergleichsweise guten Situation befinde, lasse sich in der Gesellschaft eine zunehmende Skepsis gegenüber der Wissenschaft ausmachen, die in Teilen sogar in der Ablehnung von wissenschaftlichen Erkenntnissen und einer Wissenschaftsfeindlichkeit münde. „Es ist kein Zufall, dass die Krise der Demokratie, die in vielen Ländern derzeit zu beobachten ist, stets mit Angriffen auf die Freiheit der Wissenschaft, der Forschung und der Lehre einhergeht“, sagte Horst Hippler. 

Hintergrund: Das ist der "March for Science"

Weltweit wurde für die Wissenschaft und deren Freiheit marschiert: In Deutschland war der Auftakt um 9.30 Uhr in München, dann folgte Göttingen, weiter ging es auch in Münster, Köln, Neuruppin, Koblenz, Braunschweig, Bremen, Kassel, Trier, Dresden, Stuttgart, Saarbrücken, und schließlich der Abschluss am Abend in Frankfurt. 

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