Angler arbeiteten rund um die Uhr

Massenumzug der Fische aus dem leeren Wendebach-Stausee

Zwangsumzug: Der Wendebach-Stausee im Süden von Göttingen ist in den vergangenen Tagen abgelassen worden. Am Wochenende setzen mit Mitglieder des Angelclubs Göttingen die Fische in andere Vereinsgewässer um und machten Inventur. Foto: Rampfel

Niedernjesa. Für abertausende Fische war ab Freitagmittag ihre Zeit im Wendebach-Stausee abgelaufen: Weil das Wasser abgelassen war, mussten sie in andere Gewässer umgesiedelt werden.

Die Mitglieder des Sport-Angelclubs Göttingen konnten mit dem Abfischen beginnen. Der Angelverein bewirtschaftet den Wendebachstausee fischerrechtlich. Seit Montag wurden etwa 130 000 Kubikmeter Wasser langsam aus dem See abgelassen, auch, um den Stress für die Fische gering zu halten. Etwa 35 ehrenamtliche Mitglieder des Vereins sind in drei Schichten rund um die Uhr im Einsatz, sagte der erste Vorsitzende Udo Hillebrand.

„Es ist schon die dritte Ablassaktion seit Bestehen des Stausees“, erzählt er. Die letzte war im 2001. „Wir rechnen damit, dass wir am Sonntagvormittag fertig sind.“ Die Schonung der Fische stehe dabei an erster Stelle.

Alle Fische sollen zudem katalogisiert werden. Eine enorme Arbeit, denn viele tausend Fische mit einem Gewicht von mehreren Tonnen werden abgefischt. Anhand des Ergebnisses dieser Inventur kann der Angelverein sehen, ob sie beim Fischen Fehler gemacht oder ökologisch sinnvoll gearbeitet haben.

Mehr Bilder von der Leerung des Stausees:

Wendebach-Stausee ist leer

Was den Vorsitzenden sehr erstaunt und freut: „Bisher haben wir viele Zander und Jungzander abgefischt.“ Der Zander ist ein Edelfisch, der einen hohen Anspruch an die Wasserqualität stellt. „Wenn dieser Fisch sich hier eigenständig vermehrt, dann spricht das für die Qualität dieses Stausees. Und auch dafür, dass wir vom Angelverein den See ökologisch gut bewirtschaften.“ Weiterhin waren Aal, Karpfen, Schleie und verschiedene Barsche in allen Größen dabei – aber kein Hecht.

Die Feuerwehr Geismar unterstützte die Angler bei der Aktion mit Pumpen und der Anlieferung von Frischwasser. Parallel wurden die Fische in andere Gewässer des Sport-Angelclubs Göttingen umgesetzt. So in den Privatteich bei Klein Schneen und in den Baggersee Rosdorf. In den Göttinger Kiessee kommen die Zander.

Mitglieder von Gastvereinen halfen ebenfalls beim Abfischen und nahmen selbst auch Fische mit, die sie in ihren Gewässern aussetzen, so in Gieboldehausen, Bilshausen oder Lödingsen.

Erst 2016 soll der See nach dem Umbau wieder mit Wasser gefüllt werden. „Aber dann kommen frische Fische in den See“, sagt Hillebrand. Denn: Jedes Umsetzen ist Stress für einen Fisch.“

Zunächst werde es dann zwei Jahre ein Angelverbot am Wendebachstausee geben, im dritten Jahr voraussichtlich eine Teilfreigabe. Erst im vierten Jahr sei der neue Wendebachstausee wieder ein vollwertiges Angelgewässer, den die 350 Mitglieder des Sport-Angelclubs Göttingen nutzen können.

Der Umbau des Wendebachstausees kostet etwa fünf Millionen Euro. Die Arbeiten beginnen im Frühjahr 2015 und sollen bis zum Herbst dauern. Der Damm wird um sieben Meter abgetragen, eine neue Hochwasserentlastungsanlage gebaut. (ysr)

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