Börsengang für 2017 geplant

Medizintechnik-Konzern Ottobock geht an die Börse

Der Duderstädter Orthopädietechnik-Weltmarktführer Ottobock geht an die Börse. In zwei Jahren will das Unternehmen den Kapitalmarkt anzapfen - ohne den Einfluss der Eigentümerfamilie Näder zu schmälern.

Duderstadt. Die Duderstädter Ottobock-Gruppe will ihr Medizintechnikgeschäft mit einem Börsengang auf dem Weltmarkt noch weiter nach vorn boxen.

Firmenschef Hans Georg Näder visiert für 2017 den Börsengang des Teilkonzerns Otto Bock Health Care GmbH an. Dieser beansprucht für sich die internationale Spitzenposition unter den Prothesenherstellern.

Damit es dabei bleibt, will das Familienunternehmen den Kapitalmarkt anzapfen und zunächst etwa ein Viertel der Anteile an die Börse bringen - ohne die Macht aus der Hand zu geben.

Näder (53), Enkel des Firmengründers Otto Bock und seit 25 Jahren an der Unternehmensspitze, hat dafür die Rechtsform eine Aktiengesellschaft nach europäischem Recht (SE) gewählt, genauer gesagt, eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA). Ihre Anteilseigner verdienen am Unternehmen mit, haben aber kein Stimmrecht: Die Entscheidungen fallen in der SE, Näder bleibt auch nach dem Börsengang der Chef.

„Wir bringen das Beste aus beiden Welten zusammen“, beschreibt er den Charme dieser Konstruktion. Über die Ausgabe oder den Rückkauf von Aktien „können wir mit den Märkten atmen“. Das Geld soll in den Ausbau der Marktposition gesteckt werden. Andere Medizintechnik-Hersteller, so der wichtigste Ottobock-Konkurrent, der isländische Prothesenhersteller Össur, sind bereits börsennotiert, nun zieht Näder nach.

Denn in der Medizintechnik in der ersten Liga mitzuspielen, ist teuer. Sieben Prozent ihres Umsatzes gibt die Sparte für Forschung und Entwicklung aus, der Anteil werde auf zehn Prozent steigen, sagt Näder voraus.

Aktualisiert
um 20.04 Uhr.

Mit einem Umsatz von 771 Millionen Euro und rund 6300 Mitarbeitern ist Health Care das Schwergewicht der Gruppe. Das 1997 auf dem Markt eingeführte C-Leg, eine komplett mit Mikroprozessoren gesteuerte Beinprothese, gilt als eine der wichtigsten Entwicklungen von Ottobock. Seitdem ist die Entwicklung noch weiter vorangeschritten. Die Stimulation der verbliebenen Nerven und Muskeln soll immer perfekter werden, die Bewegung mit der Prothese immer natürlicher. Außerdem stellt Health Care auch Orthesen her und arbeitet an der Neurorehabilitation, die mit elektrischen Impulsen Schlaganfallpatienten oder Multiple-Sklerose-Kranken Alltagsbewegungen ermöglichen sollen. „Wir sind ein technologisches Schnellboot“, lobt Näder sein Unternehmen.

Und dafür interessieren sich nach Worten des Firmenchefs auch die Investoren, trotz fehlender Stimmrechte. Erste Sondierungsgespräche hätten eine hohe Nachfrage ergeben. Wieviel Ottobock der Teilbörsengang einbringen könnte, lässt Näder noch offen. Auch zu den Renditen, die Aktionäre erwarten können, äußert er sich noch nicht.

Außer der Medizintechnik ist die Ottobock-Gruppe in Kunststoff-Technologie tätig, auch der IT-Dienstleister Sycor gehört zu den Duderstädtern. Die weltweit tätige Gruppe setzt insgesamt 1,15 Milliarden Euro um und beschäftigt rund 8000 Mitarbeiter.

Hintergrund

Kommanditgesellschaft auf Aktien

Die Rechtsform der europäischen Aktiengesellschaft (SE - die Abkürzung steht für Societas Europaea) erhalten Unternehmen, die in verschieden EU-Mitgliedsländern aktiv sind. Die Form der SE soll ihnen grenzüberschreitende Kooperationen erleichtern.

Die SE & Co. KGaA, die Kommanditgesellschaft auf Aktien, ist eine Sonderform: Die Aktionäre sind, vergleichbar mit stillen Teilhabern, am Unternehmenserfolg beteiligt, treffen aber keine unternehmerischen Entscheidungen. Diese sind Sache der sogenannten Vollhafterin. Das können natürliche Personen sein, aber auch eine Aktiengesellschaft kommt infrage. Die Aktien der KGaA werden an der Börse gehandelt.

Die Rechtsform ist für große und mittelständische Familienunternehmen interessant. Aber auch Konzerne wie Fresenius (Medizintechnik), Bertelsmann (Medien) und Henkel (Konsumgüter) sind so organisiert.

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