Landtagskandidaten aus dem Bereich Göttingen zur Förderung des ländlichen Raums

Politiker auf Facebook: Mehr Angebote im Nahverkehr

Göttingen. Öffentlicher Nahverkehr und schnelles Internet sind nur zwei Beispiele, wie sehr ländliche Gebiete bei der Infrastruktur hinterherhinken. Was muss das Land tun, damit der ländliche Raum als Wohn- und Arbeitsort attraktiv bleibt?

Wir stellen den Kandidaten der Wahlkreise im Landkreis Northeim auf der Facebook-Seite der HNA-Redaktion unter www.facebook.com/HNAGoettingen Göttingen Fragen. Diesmal: Öffentlicher Nahverkehr und schnelles Internet sind nur zwei Beispiele, wie sehr ländliche Gebiete bei der Infrastruktur hinterherhinken. Was muss das Land tun, damit der ländliche Raum als Wohn- und Arbeitsort attraktiv bleibt?

Hier die (gekürzten) Antworten der Landtagskandidaten:

Patrick Humke (Die Linke): 1. ÖPNV - Die Linke steht für einen Ausbau der ÖPNV in Niedersachsen und somit auch des Ausbaus des Angebots in Südniedersachsen. Der ÖPNV soll barrierefrei sein und so organisiert sein, dass ihn alle Menschen gleichsam nutzen können. Hierzu ist es nötig, die Busse zu modernisieren, Bahnsteige so zu gestalten, dass ein barrierefreier Ein- und Ausstieg möglich ist. Die Linke will eine Mobilitätscard für Leistungsempfänger von staatlichen Transferleistungen einrichten und zum Monatspreis von 15 Euro anbieten. (...)

Wohnen - Die Linke will wie bereits in der vergangenen Wahlperiode ein Wohnungsbauprogramm zur Schaffung von barrierefreiem und bezahlbarem Wohnraum einrichten. Hierbei wird zum einen der soziale Wohnungsbau wieder eingeführt und darüber hinaus Sanierungen im Bestand gefördert. Gerade im ländlichen Bereich fehlt häufig entsprechender Wohnraum

Gesundheit und Pflege: Viele Menschen verlassen die ländliche Region, weil die Infrastruktur Stück für Stück verschwindet. Damit einher geht die Krankenhausversorgung und die Ärzteversorgung. Wir Linke stehen für den Erhalt der Krankenhausstandorte und sind der Auffassung, dass die Schließung der Standorte in Uslar, Stadtoldendorf und die prekäre Lage in Hann. Münden dazu beiträgt, dass diese Versorgung nicht mehr für alle gegeben ist. (...)

Klaus Trybuhl (FDP): In aller Kürze will ich hier keine „offiziellen“ tausendfach „abgestimmten“ Wahlprogramme vorstellen, sondern knappe persönliche Gedanken äußern; der ländliche Raum bietet Vorteile für viele Menschen, die ruhiger und familienfreundlicher wohnen wollen. Die Infrastruktur ist dabei zwangsläufig niemals so gut ausbaubar wie in Großstädten, sonst würden die Kosten davonlaufen und die Beeinträchtigungen für unsere Umwelt steigen. Eine stabile Grundversorgung sollte in jedem Fall gewährleistet sein, doch wer die Bus vor der Haustür im 15-min-Takt sucht, der sollte seinen Wohnsitz entsprechend wählen. Wir können unsere Wohnung frei wählen und müssen uns entscheiden für die ländliche Idylle mit viel Ruhe oder der etwas unruhigeren Großstadt.

Die Antwort von Jens Droß (Freie Wähler) erreichte uns per E-Mail: Die Landesregierung muss dafür sorgen, das die Lebensverhältnisse im gesamten Land gleichwertig sind. Was nicht heißt, dass im ländlichem Raum alles genauso vorhanden ist, wie in den Städten und Ballungszentren. Es heißt aber, dass sich die Bürger im ländlichem Raum genauso wohlfühlen und das sie von den Politikern wahrgenommen werden. Daneben ist es wichtig, dass sich die Menschen mit ihrer Umgebung identifizieren können und sie bereit sind für das Vorhandene einzutreten und es zu erhalten. Die natürliche Umgebung, aber auch gemeinsame Projekte, wie z.B. Dorfläden oder Bürgerenergie spielen dabei eine wichtige Rolle. (...)

Holger Welskop (CDU): Ein zentrales Anliegen der CDU ist es, allen Verkehrsnutzern effiziente Verkehrswege zur Verfügung zu stellen. CDU und FDP in Niedersachsen haben sich in der Vergangenheit mehrfach dazu bekannt, die Regionalisierungsmittel des Bundes zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse in den Gemeinden, für den kommunalen Straßenbau oder den ÖPNV in vollem Umfang zu erhalten.Wir wollen das Angebot und die Qualität des SPNV in Niedersachsen auf dieser Grundlage weiter ausbauen und setzen uns dafür ein, einzelne Haltestellen und Strecken des Schienennahverkehrs bedarfsgerecht zu reaktivieren.

Dank Investitionsmitteln der EU, des Bundes und des Landes Niedersachsen hat sich auch die Breitbandinfrastruktur in Niedersachsen in den vergangenen drei Jahren stark verbessert. Die stärkt unser ländlich geprägtes Bundesland. Mit mehr als 60 Millionen Euro Fördermitteln ist die Zahl der angeschlossenen Gebäude seit 2008 um circa 300 000 gestiegen. (...)

Niels-Arne Münch (Piraten): Zwei wichtige Aspekte sind bereits der Frage genannt: Als Partei, die selbst ein Kind des Internets ist, liegt uns Piraten der freie und schnelle Zugang zum Internet selbstverständlich am Herzen. „Frei“ muss dieser Zugang vor allem deshalb sein, weil er heute gleichbedeutend mit dem Zugang zu Informationen ist und immer mehr Voraussetzung zur politischen Teilhabe wird. Dieser Trend wird sich insbesondere im ländlichen Raum noch verstärken, etwa wenn infolge von Gebietsreformen (Kreisfusion) der räumliche Abstand zwischen Politik/Verwaltung und Bürgern wächst und das „Digitale Rathaus“ als Ersatz für Behördengänge immer wichtiger wird. Mobile Bürgerbüros sind eine weitere Möglichkeit, dem drohenden Demokratieverlust durch Verwaltungs- und Politikabbau entgegenzuwirken.

Wir wollen den ÖPNV ausbauen und „fahrscheinlos“ (also für den Fahrgast kostenlos) anbieten. Dazu gehört auch, die Wiederinbetriebnahme stillgelegter Bahnstrecken zu prüfen, denkbar wäre etwa die Reaktivierung von Bahnhöfe wie Einbeck, Bovenden oder Rosdorf als S-Bahn.

Ein weiterer uns Piraten wichtiger Punkt die Sicherstellung der flächendeckenden medizinischen Versorgung: Gesundheit ist für uns kein „Wachstumsmarkt“ sondern Teil der öffentlichen Daseinsfürsorge. Zur Grundversorgung benötigte Krankenhausstandorte dürfen nicht geschlossen werden, ehemals öffentliche Häuser sollten rekommunalisiert werden, der Verkauf an große Krankenhausketten hat sich nicht bewährt, und sowohl die Arbeitsbedingungen des Personals wie auch die Patientenversorgung hat sich verschlechtert. (...)

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