Experten fordern bei Amnesty-Diskussionsrunde mehr Unterstützung für Flüchtlingsfamilien

Mehr Geld für syrische Verwandte nötig

Hannover/Friedland. Experten haben die Bundesländer aufgefordert, syrische Flüchtlinge und ihre bereits hier lebenden Verwandten besser zu unterstützen. Das finanzielle Risiko dürfe nicht bei den aufnehmenden Familienangehörigen liegen, sagte Kai Weber vom Flüchtlingsrat Niedersachsen am Freitagabend in Hannover bei einer Diskussion von Amnesty International über Flüchtlingspolitik.

Laut Weber erhalten syrische Flüchtlinge seit Ende September in 14 von 16 Bundesländern ein Visum, wenn sie dort bereits Verwandte haben, die zudem finanziell für sie bürgen. Bereits in Niedersachsen lebende Syrer müssten für jeden nachgeholten Verwandten eine Verpflichtungserklärung abgeben, erläuterte der Geschäftsführer des Flüchtlingsrats. Damit garantierten sie, die Kosten für den Lebensunterhalt und die Gesundheitsversorgung der Kriegsflüchtlinge zu übernehmen.

„Bisher ist das eine Regelung, die nur für reiche Syrer hierzulande infrage kommt“, kritisierte Weber. „Die Aufnahme muss von der Schutzbedürftigkeit und nicht vom Geldbeutel abhängen.“

Martin Roger von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisierte besonders die fehlende Krankenversicherung vieler Flüchtlinge. „Die medizinische Versorgung eines Menschen darf nicht von seinem Aufenthaltsstatus abhängig sein.“ Die Kosten für die bürgenden Verwandten könnten in bestimmten Krankheits- oder Pflegefällen extrem hoch liegen, sagte Roger.

Das Bundesland müsse hier finanziell eingreifen und zudem auch Geld für medizinische Dolmetscherdienste bereitstellen.

Erstaufnahme in Friedland

Im Grenzdurchgangslager Friedland werden viele der syrischen Kriegsflüchtlinge nach ihrer Ankunft per Flugzeug in Kassel-Calden aufgenommen. In Friedland durchlaufen sie auch einen zweiwöchigen Crash-Kurs, der ihnen erste Sprachkenntnisse, aber auch Erklärungen zu Ämter- und Arztbesuchen vermittelt. (tko/epd)

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