Mehr als 80 Luchse leben im Harz

Gemeinsam auf der Pirsch: Die Wildkamera fotografierte ein Luchsweibchen mit einem Jungtier. Foto: Nationalpark Harz/pid

Bad Harzburg. Wie viele Luchse leben eigentlich inzwischen im Harz? Diese Frage bekommen die Mitarbeiter der Harzer Nationalparkverwaltung fast täglich zu hören.

Bislang konnten sie höchstens vage Schätzungen abgeben. Jetzt können sie sehr viel genauere Angaben machen: Das bislang größte Wildtierkameraprojekt des Harzes ist abgeschlossen. Um den Bestand der Pinselohren erfassen zu können, hatten die Mitarbeiter auf einer Gesamtfläche von rund 750 Quadratkilometern an 60 ausgewählten Standorten jeweils zwei Fotofallen installiert. Die Auswertung der Bilder ergab, dass insgesamt 27 Luchse vor die Kameras gelaufen waren, berichtet der Luchsbeauftragte Ole Anders.

Mit den Ergebnissen des Fotomonitorings lassen sich nun erstmals auch statistisch abgesicherte Angaben zur Luchsdichte machen. Demnach sind auf einer Fläche von 100 Quadratkilometern durchschnittlich 3,8 Luchse zu finden. „Dies entspricht in etwa dem, was wir auch erwartet haben“, sagt Ole Anders. Das Untersuchungsgebiet erstreckte sich allerdings nur auf einen Teil des Harzes. Rechnet man diese Ergebnisse auf den gesamten Harz hoch, käme man auf einen geschätzten Gesamtbestand von mehr als 80 Luchsen.

Seit Beginn des Projekts im Jahr 2000 wurden insgesamt 24 Luchse im Harz ausgewildert. Der erste Versuch einer systematischen Erfassung zeigt, dass sich die Pinselohren dort offenbar nicht nur sehr wohl fühlen, sondern sich auch weiterhin kräftig vermehren. So fanden sich auf den Fotos auch sechs Luchsweibchen, die insgesamt zwölf Jungtiere mit sich führten.

Jede Fotofalle war mit zwei Kameras ausgerüstet, um die Tiere aus zwei Richtungen fotografieren und so besser identifizieren zu können. Die Forscher orientierten sich dabei an der Fellzeichnung. Diese ist das individuelle Erkennungsmerkmal der Luchse. Die spezielle Anordnung, Form und Größe der Flecken ist so einmalig wie ein Fingerabdruck beim Menschen.

Insgesamt waren bei der konzertieren Fotofallen-Aktion 268 Aufnahmen von Luchsen entstanden. „Jeder Luchs, den wir kannten, ist in der Stichprobe aufgetaucht“, freut sich Anders. „Dies zeigt, dass wir die Standorte für die Fotofallen gut ausgewählt haben.“ Vier fotografierte Luchse erwiesen sich als „alte Bekannte“: Die Forscher hatten die Tiere vor einiger Zeit in den Fängen gehabt und mit einem Sender ausgestattet.

Auch drei Ausreißer entdeckten die Experten auf den Bildern. Im November waren die drei Luchse Alice, Allen und Paul aus dem Harzer Schaugehege an den Rabenklippen ausgebrochen, nachdem unbekannte Täter mit einem Bolzenschneider Löcher in die Zäune geschnitten hatten. Die Tiere konnten später wieder eingefangen und in das Schaugehege zurückgebracht werden – aber erst, nachdem sie sich als Beweis für ihren ungenehmigten Aufenthalt in freier Wildbahn hatten ablichten lassen.

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