Jüdische Gemeinden finden Konsens, Stadt unterstützt Denkmal-Projekt

Mehr Stolpersteine für Göttingen

Noch Unikat in Göttingen: Der Stolperstein zum Gedenken an Hedwig Steinberg. Bald könnten mehr gesetzt werden. Foto: Kopietz
+
Noch Unikat in Göttingen: Der Stolperstein zum Gedenken an Hedwig Steinberg. Bald könnten mehr gesetzt werden.

Göttingen. In mehr als 500 Gemeinden in Deutschland gibt es „Stolpersteine“. Die Mahnmale aus glänzendem Messing ragen aus dem Gehwegpflaster optisch heraus und erinnern an die ehemalige Heimstätte und das Schicksal von jüdischen Mitbürgern, die von Nazis verschleppt und ermordet worden sind.

Ein Stein in Gedenken an Hedwig Steinberg wurde auf Initiative von Bewohnern vor dem Haus Bühlstraße 4 in Götingen gesetzt. Bald sollen es mehr Stolpersteine werden, denn eine langjährige Uneinigkeit zwischen jüdischen Gemeinden in Göttingen ist überbrückt, wenn auch nicht beigelegt worden, wie im Kulturausschuss deutlich wurde.

Seit 2002 streiten die jüdischen Gemeinden in Göttingen um das Setzen der kleinen Denkmäler des Kölner Künstlers Demnig. Die Jüdische Gemeinde war für diese Form des Erinnerns an Verschleppung und Töten. Die Jüdische Kultusgemeinde hielt diese Form des Gedenkens für nicht tolerabel, auch man die Steine mit Füßen treten würde.

Am Donnerstag verkündete Kulturdezernentin Dagmar Schlapeit-Beck im Kulturausschuss, dass man zu einem Kompromiss gekommen sei. Die Stolpersteine können verlegt werden, wenn die Angehörigen der Opfer damit einverstanden sind. Man habe noch einmal einen Vermittlungsversuch gestartet, nachdem in Folge der Privatinitiative Bühlstraße noch einige Nachfragen an die Stadt gerichtet worden seien. „Wir freuen uns, dass endlich eine Lösung gefunden werden konnte“, sagte Schlapeit-Beck.

Zufrieden ist auch die Jüdische Gemeinde Göttingen, wie die Vorsitzende Jaqueline Jürgenliemk sagte. Die Lösung sei zwar nicht optimal, weil so nicht möglichst viele Steine gesetzt werden könnten, aber doch ein guter Kompromiss.

Für Eva Tichauer Moritz, Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Göttingen/Südniedersachsen ist es kein Kompromiss im eigentlichen Sinne: „Wir haben uns geschlagen gegeben, wir sind nicht dafür.“ Das ist eine für Jaqueline Jürgenliemk nicht akzeptable Haltung: Wir gehen von einem Kompromiss aus und nicht davon, dass sich einer geschlagen geben musste. Wir rudern ja auch zurück, wollten mehr Steine verlegen, auch von Menschen ohne Angehörige.“

Koordinationsstelle für zukünftige Stolpersteinprojekte wird die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Göttingen sein.

In einer Pressemitteilung weist Eva Tichauer Moritz noch einmal darauf hin, dass die von der Jüdischen Kultusgemeinde und dem Verein für christlich-jüdische Zusammenarbeit vorgelegten Alternativvorschläge, wie das Anbringen von Stelen auf Augenhöhe und möglicherweise von Schülern in einem Projekt erarbeitete Denkmale, nicht genügend berücksichtigt worden seien. Fazit: „Unsere Projekte interessieren nicht“, sagt Tichauer Moritz und fügt an: „Diese Stadt macht etwas nach, weil fast alle anderen das tun.“

Von Thomas Kopietz

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.