NOTIZEN AUS DER LANDESHAUPTSTADT

Feier auf Schloss Bückeburg und frühe Kanzler-Ambitionen

Peter Mlodoch, Porträtfoto
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Peter Mlodoch, Korrespondent in Hannover

Unser Korrespondent in Hannover, Peter Mlodoch, hat genau hingeschaut und -gehört. Das Ergebnis seiner Bemühungen: Die Splitter der Woche aus der Landeshauptstadt.

Hannover - Bei der auswärtigen Sitzung des rot-schwarzen Landeskabinetts auf Schloss Bückeburg konnte sich Staatskanzleileiter Jörg Mielke (SPD) vor den zahlreichen Glückwünschen zu seinem 62. Geburtstag kaum retten. Sein Vorgesetzter, Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), beobachtete das Geschehen im Schlosshof mit gebührenden Abstand. Von Neidgefühlen wollte Weil aber nichts wissen, im Gegenteil: „Sie können mir gern zu meinem tollen Staatskanzleichef gratulieren.“

Einen Korb handelte sich der Grünen-Abgeordnete Volker Bajus im Sozialausschuss des Landtags ein, als er sich neben seine FDP-Kollegin Susanne Schütz setzen wollte. Die Stühle links und rechts neben ihr seien leider schon belegt, beschied die Braunschweigerin dem Osnabrücker: „Meine beiden Jungs kommen noch.“ Die ließen allerdings auf sich warten; selbst der Ausschussvorsitzende Holger Ansmann (SPD) hakte zu Sitzungsbeginn vorsichtshalber nach: „Sie sind noch alleine?“

Nach rund 20 Minuten erschienen die „Jungs“ dann endlich: niemand anderes als die FDP-Führungskräfte Fraktionschef Stefan Birkner und Parlamentsgeschäftsführer Christian Grascha. Gegen solche Schwergewichte konnte Bajus ja gar keine Chance haben. Als Kanzlerkandidatin der Grünen ist Annalena Baerbock nun zwar auch ganz offiziell von ihrer Partei nominiert. Aber jetzt droht ihr möglicherweise doch noch innerparteiliche Konkurrenz – und das ausgerechnet von einem Mann aus Niedersachsen. Grünen-Parlamentsgeschäftsführer Helge Limburg, der sich im Wahlkreis Hameln/Holzminden um ein Bundestagsmandat bewirbt, strebt ebenfalls zielstrebig ins Amt des Regierungschefs. „Ich will Bundeskanzler werden“ – so jedenfalls hat Limburg bereits 2002 sein Lebensmotto beschrieben. Der freche Satz findet sich in der jetzt (zufällig?) aufgetauchten Abi-Zeitung aus Holzminden von damals. Hirngespinste? Auch sein Politiklehrer und Klassenkameraden prophezeiten in dem Blättchen dem Jung-Grünen eine Karriere als Bundeskanzler.

Mitleid erhielt Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) angesichts der großen Hitze. In seinem Büro mit drei Glasfronten stand die Luft; der Ressortchef geriet während einer Video-Konferenz ins Schwitzen. „Haben Sie denn dort keine Klimaanlage“, fragte ein zugeschalteter Teilnehmer bedauernd. „Nein“, antwortete Tonne.

„Das ist seit der letzten Wahlperiode bei uns verpönt.“ Zur Erinnerung: 2013 hatte in der damaligen rot-grünen Landesregierung der grüne Staatssekretär Udo Paschedag des grünen Landwirtschaftsministers Christian Meyer mit seinen Luxuswünschen für mächtig Ärger gesorgt. Zweifelhafte Sonderzulagen, ein zu üppiger Dienstwagen und nicht zuletzt eine neue Klimaanlage in seinem Büro führten nach einem halben Jahr Amtszeit zu Paschedags Rauswurf. (Peter Mlodoch)

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