Messerattacke in Göttingen: Angeklagte nahm schon mit neun Drogen

Göttingen. Strafrichter haben häufig mit drogensüchtigen Angeklagten zu tun. In einem Prozess vor dem Landgericht Göttingen ging es mal wieder um Drogen und deren fatale Folgen.

Eine 32-jährige Frau aus Göttingen muss sich dort seit Oktober wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Die Drogenkarriere der 32-Jährigen begann ungewöhnlich früh. Schon mit neun Jahren habe die Angeklagte Cannabis konsumiert, berichtete der psychologische Sachverständige Hendrik Keveloh. Der Wirkstoff THC habe sie gleichgültig gegen die Brutalität und Misshandlungen des alkoholabhängigen Vaters gemacht. Im zwölften Lebensjahr kamen LSD und Ecstasy hinzu, mit 13 hing sie an der Heroin-Nadel, ab dem 14. Lebensjahr putschte sie sich außerdem mit Kokain auf.

Die Staatsanwaltschaft wirft der 32-Jährigen vor, im April in der Göttinger Innenstadt einen 43-jährigen Mann mit einem Messer niedergestochen und lebensgefährlich verletzt zu haben. Die Angeklagte sitzt in der Frauenhaftanstalt Hildesheim in Untersuchungshaft.

Wegen Gewaltdelikten ist sie mehrfach vorbestraft. Sie soll wiederholt ohne Anlass auf Menschen eingeschlagen und -getreten haben. Ein Sachverständiger hat ihr bei einem früheren Fall bereits Polytoxikomanie (Abhängigkeit von verschiedenen Drogen) und eine dissoziale Persönlichkeitsstörung bescheinigt. Die damalige Ansicht: Da die Angeklagte therapieunwillig sei, hätte ein Entzug keinerlei Erfolgsaussicht.

Anders als der damalige Gutachter sieht Keveloh eine Chance, die 32-Jährige per Entzug vom Drogenkonsum abzubringen. Nur so lasse sich das Aggressionspotenzial reduzieren.

Nach Angaben des Psychologen ist die Angeklagte in desaströsen Verhältnissen aufgewachsen. Der Vater habe sie misshandelt, ihre Mutter habe ihr selbst die Schuld dafür gegeben. Als die Tochter das Jugendamt einschaltete, hätten die Eltern alle Vorwürfe abgestritten. Mit zwölf sei sie zuhause ausgezogen, mit 16 hatte sie eine eigene Wohnung. Einen Schulabschluss oder Berufserfahrung hat sie nicht vorzuweisen.

Laut Keveloh sei die Persönlichkeitsstruktur der Angeklagten durch die Drogenkultur geformt worden. Ihre dissoziale und emotional instabile Persönlichkeitsstörung drücke sich in einer ständigen Missachtung sozialer Normen, Empathiemangel, Misstrauen gegenüber der Umwelt und einem enorm erhöhten Aggressionspotenzial aus.

Zudem habe sie MDPV (Stimulans mit kokainähnlicher Charakteristik) konsumiert. Mit gravierenden Folgen: Zweimal wurde sie zur Notfall-Behandlung in eine psychiatrische Klinik gebracht, wo man sie aufgrund ihrer psychotischen Symptome fixieren musste.

Der Prozess wird Anfang Januar fortgesetzt.

Rubriklistenbild: © Kopietz

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