Göttinger Forscher suchen Schlüssel zur Behandlung

Düstere Zahlen-Prognose: Millionen haben Alzheimer

Sprecher am DNZE-Göttingen: Prof. André Fischer. Foto: UMG/nh

Göttingen. In Deutschland leiden etwa 1,5 Millionen Menschen an Demenz, davon zwei Drittel an Alzheimer. In zehn Jahren erwarten Experten nach jüngsten Prognosen sogar 2,5 Millionen Erkrankte. Die alternde Bevölkerungsstruktur und bessere Diagnosemöglichkeiten lassen die Zahlen stark wachsen.

Damit ist Deutschland nicht allein, denn in den USA gibt es etwa 4,7 Millionen Alzheimer-Kranke, 2050 sollen es dort 13,8 Millionen Menschen sein, wie das Rush University Medical Center Chicago meldet.

Aber: Auch die Zahl der Forscher, die sich weltweit mit dem Problem beschäftigen, ist groß. Wohl 25 000 sind auf der Suche nach dem besseren Verstehen der Ursachen, der Wirkungen, der Behandlung von Alzheimer und einer wirksamen Vorbeugung. Auch in Göttingen stellen sich Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen dem Problem. Hier funktioniert das Zusammenspiel zwischen Einrichtungen wie der Universitätsmedizin und dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE).

Die DZNE gibt es an neun Standorten in Deutschland, dort erforschen Wissenschaftler in Grundlagen- und klinische Forschung zusammen, um die Mechanismen zu verstehen, die zu neurodegenerativen – nervenzerstörenden Krankheiten – führen. Am Göttingen DNZE geht es unter Leitung von Prof. André Fischer vor allem darum, Biomarker und neue therapeutische Ansätze für Demenz-Erkrankungen zu entwickeln, um so der Alzheimer-Krankheit den Schrecken zu nehmen. Und es gibt Erfolge: Ein Team um Prof. Thomas Beyer hat 2012 die ersten Antikörper weltweit hergestellt, die giftige Eiweiß-Arten erkennen können, die sich in Nerven- und Blutgefäßen von Alzheimer-Kranken im Gehirn anhäufen. Die Antikörper können die Eiweiß-Klumpen, eine Ursache der Erkrankung, binden. Untersucht wurde das bei Mäusen. Die Forscher am DZNE in Göttingen entdeckten kürzlich, dass ein uraltes blaues Färbemittel den Durchbruch bei der Alzheimer-Behandlung bringen könnte: Er verhindert die schädlichen Verklumpungen von Proteinen im Gehirn. Und er ist billig. Hoffnung macht eine weitere Entdeckung des Teams um Prof. Fischer: Ein bei Mäusen für die Krankheit mitverantwortliches Enzym müsste blockiert werden. Wann daraus Therapien für den Menschen werden ist unklar. Noch ist Geduld gefordert, von Millionen betroffener Menschen wie von den Medizinern. Zum Tage, Seite

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