Damit der Knochenjob nicht krank macht

Mitarbeiter der Logistikbranche bekommen jetzt Hilfe von Ottobock

Logistik-Mitarbeiter bewegen im Laufe einer Woche mehr als 100 Tonnen Gewicht: Ein Exoskelett schützt sie vor Verschleißerkrankungen der Wirbelsäule.
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Logistik-Mitarbeiter bewegen im Laufe einer Woche mehr als 100 Tonnen Gewicht: Ein Exoskelett schützt sie vor Verschleißerkrankungen der Wirbelsäule.

Das Gewicht eines vollbeladenen Großraumflugzeugs bewegt der Mitarbeiter eines Paketverteilzentrums im Laufe einer Arbeitswoche. Die ernome Belastung lässt sich mit einem „Exoskelett“, einer am Körper getragenen Stützstrukturen zur Erhöhung der Körperkraft, auf Null verringern.

Duderstadt – Das hat eine Studie von imk automotive ergeben, die das Duderstädter Unternehmen Ottobock bei einer Online-Konferenz vorstellte.

„Die Arbeit in der Logistik ist ein Knockenjob.“ Daran ließ Ottobock-Produktmanager Dr. Samuel Reimer keinen Zweifel. In einem Paketzentrum bewegen Mitarbeiter alle drei Sekunden bis zu fünf Kilogramm schwere Pakete.

Das summiert sich im Laufe einer Woche auf 180 Tonnen – mehr als ein vollbeladener Airbus A300 wiegt. In der Papierindustrie, wo bis zu 15 Kilogramm schwere Rollen alle zehn Sekunden zu bewegen sind, kommen in einer Woche 135 Tonnen zusammen; in der Zementindustrie, wo alle 15 Sekunden 25 Kilogramm schwere Säcke umzusetzen sind, 120 Tonnen.

Das Ottobock-Exoskelett Paexo-Back nimmt die Last wie ein Rucksack an der Schulter ab und leitet sie mit Hilfe einer Stützstruktur in die Oberschenkel um. Ein Energiespeicher nimmt beim Beugen Kraft auf und gibt sie beim Heben wieder ab. So lässt sich das Gewicht bei den Säcken um die Hälfte, bei den Papierrollen um 75 Prozent und den kleinen Paketen um 100 Prozent verringern, so die Studie, die Reimer vorstellte.

Beschäftigte, die ein Exoskelett nutzen, sind abends deutlich weniger erschöpft, bestätigte Gerald Müller, der beim Logistiker DB Schenker das Effizienzmanagement leitet. Die Kollegen erbringen so über den Arbeitstag hinweg konstant Leistung. Zudem machen sie weniger Fehler, so Müller. Ein Exoskelett schont den Körper außerdem bei Belastungen, die auf Dauer – etwa im Bereich der Lendenwirbel – Gesundheitsschäden verursachen. So lässt sich die Zahl der Krankentage senken, die im Logistikbereich im Branchenvergleich überdurchschnittlich hoch liegen.

Die Einführung von Exoskeletten ist aber kein Selbstläufer, betonte Honorarprofessor Dr. Lars Fritzsche, der bei imk automotive den Fachbereich Ergonomie leitet. Es muss eine Einweisung geben, etwa um zu verhindern, dass Mitarbeiter Bewegungen gegen das Exoskelett ausüben. Gute Exoskelette lassen sich an unterschiedliche Körpergrößen anpassen, können schnell an- und abgelegt werden und machen auch andere Bewegungen als das Heben mit. Sie dürfen nicht zu schwer sein. Ein weiterer wichtiger Punkt: ein schickes Design. Die Akzeptanz sinkt rapide, wenn ein Exoskelett seinen Träger zum Gespött von Kollegen macht.

Ottobock, der Duderstädter Hersteller von Prothesen und Orthesen, hat im Mai 2018 die neue Geschäftseinheit Ottobock Industrials gebildet. Sie bietet Exoskelette wie Paexo-Back an und wird von Sönke Rössing, einem promovierten Betriebswirt, geleitet. paexo.com (Michael Caspar)

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