Klimaschutz als gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Mojib Latif appelliert zur Eröffnung der Göttinger Klimaschutztage an Bürger

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Appell für den Klimaschutz (von links): Göttingens Bau-Dezernent Thomas Dienberg, Schülerin Pia Hasse, Referent Mojib Latif und Schüler Jannis Heinemann.

Göttingen. Der Klimaschutz geht uns alle an – dieses eindeutige Credo vertrat der bekannte Meteorologe und Klimaforscher Dr. Mojib Latif bei der Eröffnung der Göttinger Klimaschutztage.

Unter dem Titel „Herausforderung Klimaschutz“ referierte Latif im Ratssaal. Das Interesse der Bürger am Vortrag des Kieler Professors, der als Experte zur globalen Erwärmung auch schon oft im Fernsehen auftrat, war groß. Und Latif nahm seine Zuhörer gleich in die Pflicht: „Klimaschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. [...] Wir leben in postfaktischen Zeiten. Deshalb ist es wichtig, dass die schweigende Mehrheit sich artikuliert.“

Um den Leugnern des Klimawandels wie US-Präsident Donald Trump etwas entgegenzusetzen, betonte Latif die wissenschaftlichen Erkenntnisse. So sei das Zwei-Grad-Ziel des Pariser Klima-Abkommens nur noch durch eine „kleine Revolution“ zu erreichen. Der Meeresspiegel sei seit 1930 durchschnittlich um etwa 20 Zentimeter angestiegen und der CO2-Gehalt der Luft sei so hoch wie seit mindestens 800 000 Jahren nicht.

Für Latif ist das „Klimaproblem ein Energieproblem“. Fossile Brennstoffe seien die Hauptursache der Erderwärmung. Dabei würden die Menschen die eigentliche Schwierigkeit gar nicht wahrnehmen können. „Wir haben keinen Sinn für Gase. CO2 können wir nicht sehen, schmecken, riechen oder fühlen“, betont der Klimaforscher. Trotzdem gibt es für Latif „kein Erkenntnisproblem“. Die Klimaschützer hätten nur „das richtige Narrativ nicht gefunden. Die Geschwindigkeit der Temperaturänderung ist einmalig. Wir haben es bislang nicht geschafft, das richtig zu erklären.“

Schließlich betonte der Experte, dass der Klimaschutz in Deutschland von der Politik offenbar nicht (mehr) so ernst genommen werde. „In Deutschland haben wir die Treibhausgas-Emission seit zehn Jahren nicht reduziert. Der Druck muss von unten kommen. Wenn wir es nicht machen, passiert gar nichts“, richtete Latif einen eindringlichen Appell an alle Anwesenden.

Nach dem Vortrag stellten zwei Schüler, Pia Hasse und Jannis Heinemann, dem Klimaforscher noch einige Frage. In den Antworten ließ Latif durchaus Gesellschaftskritik durchscheinen. Wichtig sei es – da die heutige Welt eben auf dem Kapitalismus basiere – dem CO2 einen Geldwert zu geben. Erst dann bestehe breites Interesse an einer Reduzierung des Ausstoßes.

Klimaschutztage in Göttingen und „Klimaschutz im Zentrum“

„Klimaschutz spielt eine sehr große Rolle in Göttingen. Wir versuchen, das in allen Bereichen zum Thema zu machen“, sagt Thomas Dienberg (parteilos), Dezernent für Planen, Bauen und Umwelt der Stadt Göttingen. Neben den fünften Klimaschutztagen in der Universitätsstadt, die seit Dienstag laufen, gibt es deshalb noch ein anderes Projekt: „Klimaschutz im Zentrum“. 

Es ist ein Projekt, das den Menschen in Göttingen zeigen soll, dass Klimaschutz nicht nur anstrengend sein kann. Und zwar dort, wo viele Menschen vorbeikommen: in der Innenstadt. So soll möglichst vielen Menschen gezeigt werden, wie einfach Klimaschutz im Alltag sein kann und dass er sogar Spaß machen kann, erklärte Dienberg. Beispiel: „Am Samstag werden wir am Markt eine Lehmwand errichten, um konkret zu zeigen, wie man aus Holz und Lehm klimaneutral bauen kann.“ Für fünf unterschiedliche Themen werden ab sofort Bewerber gesucht, die eigene Klimaschutz-vorhaben innerhalb des Stadtwalls umsetzen wollen. 

Das Programm der Klimaschutztage umfasst bis 1. Dezember viele Aktionen, Workshops und Vorträge im gesamten Stadtgebiet. Wie wichtig der Stadt der Klimaschutz ist, zeigt auch das Ziel, bis 2050 klimaneutral zu sein. „Das wurde vom Rat beschlossen“, betont Dienberg, für den die Hauptaufgabe eine Reduzierung des Emissionsausstoßes im Straßenverkehr ist. „Deshalb versuchen wir als Stadt, den Rad- und Fußgängerverkehr sowie den öffentlichen Personennahverkehr attraktiver zu machen.“ 

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